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Themen, die uns bewegen – Bücher, die uns bereichern.

In 2026 beginnt die erste juristische Klage gegen KI in Europa. Was ist sogenannte „künstliche Intelligenz“ und was darf sie? Aus bestehenden Werken Zeichnungen entwenden und unter eigenem Namen weiterverbreiten? Ist sogenannte künstliche Intelligenz vereinfacht ausgedrückt nichts weiter als „copy paste“?

Carina Mathern, Penguin Random House

Wir setzen uns für den Schutz menschlicher Kreativität ein und wollen faire Rahmenbedingungen für Autor*innen und Kreative im Zeitalter künstlicher Intelligenz erreichen.“ Das sagt das Mitglied der Geschäftsleitung Carina Mathern von der Penguin Random House Verlagsgruppe, die rechtlich gegen Urheberrechtsverletzungen durch KI‑Systeme vorgeht und hat beim Landgericht München Klage gegen die OpenAI Ireland Ltd., Anbieterin des KI‑Chatbots ChatGPT, eingereicht. Wir sehen die Urheberrechte unseres Autors und Illustrators Ingo Siegner an den Inhalten seiner Buchreihe »Der kleine Drache Kokosnuss« verletzt.

Echt vs. Fälschung

Der 1965 in Hannover, Deutschland, geborene Schriftsteller und Illustrator veröffentlicht hauptsächlich Kinderliteratur. Bereits auf einfache Eingaben gibt ChatGPT Inhalte aus urheberrechtlich geschützten Werken von Ingo Siegner in erkennbarer Form wieder. Der Chatbot erzeugt außerdem Illustrationen der Figur des „Kleinen Drachen Kokosnuss“ (verkaufte Auflage fünf Millionen Exemplare in Europa), die dem Original zum Verwechseln ähneln. Darüber hinaus macht ChatGPT eigeninitiativ Vorschläge zur Erstellung eines druckfertigen Manuskriptes einschließlich rechtsverletzendem Cover und Klappentexten sowie konkreten Anleitungen zur Einstellung auf Selfpublishing-Plattformen. 

Illustrationen von Ingo Siegner

Die Verlagsgruppe, der mehr als 40 Verlage in Deutschland und Großbritannien angehören, sieht die Urheberrechte ihres Autors und Illustrators Ingo Siegner an den Inhalten seiner Buchreihe „Der kleine Drache Kokosnuss“ verletzt. Bereits auf einfache Eingaben gibt ChatGPT Inhalte aus urheberrechtlich geschützten Werken von Ingo Siegner in erkennbarer Form wieder. Der Chatbot erzeugt außerdem Illustrationen der Figur des „Kleinen Drachen Kokosnuss“, die dem Original zum Verwechseln ähnlich sehen.

Es gibt klare Indizien dafür, dass die Werke von Ingo Siegner unrechtmäßig zum Training des KI-Systems genutzt wurden, und nun als sogenannte „Memorisierung“ im Modell vorliegen. Dies ist vergleichbar mit einer Speicherung der urheberrechtlich geschützten Inhalte, die das System auf Nutzeranfragen hin wiedergeben kann. Der beschriebene Output stellt aus Sicht der Penguin Random House Verlagsgruppe auch eine unzulässige Vervielfältigung und öffentliche Zugänglichmachung dar. Die Verlagsgruppe sieht deshalb die Urheberrechte ihres Autors und Illustrators Ingo Siegner sowie die exklusiven Nutzungs- und Verwertungsrechte ihres Verlags cbj (Carl Bertelsmann Jugendbuchverlag) verletzt. Sie fordert Schadensersatz für ihren Illustrator und für den Verlag.

Ein weiterer Aspekt der Klage zielt darauf ab, Transparenz für Leser*innen zu schaffen. Durch geeignete Sicherungsmaßnahmen soll künftig verhindert werden, dass menschliche Autorennamen für Inhalte verwendet werden, die maßgeblich von einer KI generiert wurden.

Illustrationen von Ingo Siegner

Auf die Aufforderung zur Unterlassung und Auskunftserteilung durch die Penguin Random House Verlagsgruppe hat OpenAI trotz Fristsetzung nicht reagiert. Gegen Ende März 2026 erfolgte deshalb die Einreichung der Klage am Landgericht München.

Carina Mathern: „Menschliche Kreativität ist und bleibt der Kern unserer Arbeit als Verlage. In erster Linie sind wir deshalb den Interessen unserer Autor*innen und Kreativen verpflichtet. Wir stehen den Chancen von KI grundsätzlich offen gegenüber, gleichzeitig hat der Schutz geistigen Eigentums für uns oberste Priorität. Mit dieser Klage wollen wir als Penguin Random House Verlagsgruppe dazu beitragen, Urheberrechte auch im Zeitalter künstlicher Intelligenz wirksam zu schützen und faire Rahmenbedingungen für Kreative zu sichern.“

OpenAI, Inc. ist ein US-amerikanisches Softwareunternehmen, das sich seit Ende 2015 mit der Erforschung künstlicher Intelligenz (KI, englisch Artificial Intelligence, AI) beschäftigt. Anfänglich war das Ziel von OpenAI, sogenannte „künstliche Intelligenz“ auf Open-Source-Basis zu entwickeln. Das Unternehmen war anfangs eine gemeinnützige Organisation ohne Gewinnerzielungsabsicht. 2019 wurde die gewinnorientierte Tochtergesellschaft OpenAI Global, LLC gegründet, in der Microsoft größter Investor ist. Die nicht gewinnorientierte Open AI Foundation hält einen Anteil von rund 26 Prozent an OpenAI Group PBC. OpenAI ist vor allem bekannt für die Entwicklung der generativen vortrainierten Transformer (GPT) – auch generative künstliche Intelligenz, kurz GenAI, bezeichnet – und der daraus abgeleiteten Softwareprodukte wie ChatGPT oder DALL-E. Sam Altman ist der Vorstand.

Der amerikanische Wissenschaftler Stephen Hawking und der in Kaliforniern lebende und unterrichtende Engländer Stuart Jonathan Russell warnten, wenn künstliche Intelligenz künftig sich selbst überlassen bliebe, drohe eine Explosion der Intelligenz. Eine Folge könnte der Ersatz der wirklichen, kreativen Intelligenz durch künstliche Intelligenz sein, die nicht an menschliche Wertvorstellungen gebunden ist. Der Diebstahl geistigen Eigentums scheint die geeignete Form zu sein, zu zeigen, wozu sogenannte künstliche Intelligenz überhaupt fähig ist und welche Gefahren von ihr ausgehen.

Uwe Heitkamp (66)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobbybotaniker, Vater von zwei erwachsenen Kindern, kennt Portugal seit 35 Jahren, Gründer von ECO123.
Übersetzer: Dina Adão, John Elliot

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