Dienstag, Februar 18, 2020
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Nicht gefeierte Helden

Wie würden wir reagieren, wenn die gesamte Bevölkerung von Lissabon innerhalb von neun Jahren ausgelöscht würde?

Wir alle sind uns des Krieges in Syrien bewusst, der das Land seit 2010 in Stücke reißt, bisher den Tod von schätzungsweise 500.000 Menschen zur Folge hat und Millionen von Menschen dazu zwingt, aus ihren Häusern zu fliehen und sie zu Flüchtlingen macht.

Unsere sozialen Massenmedien können dazu führen, dass es uns manchmal an Einfühlungsvermögen für das Leiden namenloser Bürger, die in fernen Ländern leben, fehlt. An der Internationalen Schule in Aljezur interessieren sich Schüler, Lehrer und Eltern jedoch besonders für Nachrichten aus Syrien. Seit 2015 stehen sie in regelmäßigem Kontakt mit Abdo Al Morie, dem Direktor des Alwan Kindergartens in Hass, Idlib. Sie kamen zum ersten Mal über die an der Algarve ansässige Wohltätigkeitsorganisation „Campanha Pela Vida Algarve“ mit Abdo in Kontakt, als die Schule in Aljezur zu einer Sammelstelle für Spenden wurde, die für ein Flüchtlingslager in Lesbos bestimmt waren.

Abdo ist 30 Jahre alt und studierte an der Universität in Aleppo Englische Literatur. Er träumte davon, nach seinem Studium zu reisen und Englisch zu unterrichten, und machte 2012 seinen Abschluss. Zu dieser Zeit gab es bereits Flüchtlinge in und um sein Dorf, deren Kindern eine Ausbildung vorenthalten war, da die örtliche Infrastruktur mit einer solch großen Anzahl von Menschen nicht fertig werden konnte. Im ersten Jahr nach seinem Abschluss unterrichtete Abdo freiwillig Kinder zuhause und an örtlichen Schulen. Es wurde jedoch schnell klar, dass mehr Kapazitäten erforderlich waren. Also stellte er ein kleines Team von Lehrern zusammen und gründete 2014 den Alwan Kindergarten. Dieser wurde anfangs von der amerikanischen gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation (NGO) „Bridge of Peace Syria“ finanziert und die Lehrer arbeiteten für sehr niedrige Löhne oder als Freiwillige.

Der Alwan Kindergarten wuchs schnell auf 150 Schüler an und blühte dank der Unterstützung durch die Internationale Schule Aljezur bis zum 25. Oktober 2016 auf, als der Ort mit Raketenangriffen bombardiert wurde, die über 20 Schulen in der Region trafen. Hunderte unschuldiger Männer, Frauen und Kinder wurden getötet, darunter ein fünfjähriger Junge aus dem Alwan Kindergarten und seine Mutter, die in der Schule arbeitete.

Zu diesem Zeitpunkt hielten es die Eltern für zu gefährlich, ihre Kinder zur Schule zu schicken, und Alwan musste vorübergehend schließen. Abdo wusste jedoch, dass in diesem Bereich ein großer Bedarf an Gefahrenaufklärung bestand, da viele Kinder mit nicht explodierten Kampfmittelrückständen spielten, was zu schweren Verletzungen und sogar zum Tod führte. Abdo und sein Team von Freiwilligen starteten ein Programm zur Gefahrenaufklärung und bereisten viele Dörfer in der Umgebung, um Unterricht für Kinder und Erwachsene zu geben.

 

Abdo ist jetzt verheiratet und hat einen hübschen zweijährigen Jungen. Im August dieses Jahres wurde sein Dorf Hass erneut Gegenstand unerbittlicher Raketenangriffe, und Abdo musste die unglaublich schwierige Entscheidung treffen, seine Heimat zu verlassen und die junge Familie an einen sichereren Ort zu bringen. Momentan sind sie eine Meile von der türkischen Grenze entfernt und leben in einem Gebäude mit 25 anderen Familien.

Trotz des unvorstellbaren Grauens, das er erlebt hat, und der unzähligen Freunde und Familienmitglieder, die er in den letzten neun Jahren verloren hat, ist er demütig und dankbar, dass dieser Artikel in ECO123 aufgenommen wurde.

Gute Menschen gibt es überall und Abdo ist einer von Millionen unbekannter Helden auf der ganzen Welt, die selbstlos den Bedürftigen helfen. Erinnern wir uns alle an sie, wenn wir über unser eigenes Leben stöhnen oder wenn wir andere ignorieren, die unsere Hilfe bräuchten.

Für weitere Informationen zu Abdos Projekt oder Spenden für syrische Flüchtlinge kontaktieren Sie bitte: theobald.tiger8550@gmail.com oder/und info@aljezur-international.org.

Ein Frohes 2020!

Theobald Tiger

traduções: Chris Young & Kersten Funck-Knupfer | fotografias: Aljezur Int School

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