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Projecto 270

Von der biologischen Landwirtschaft zur nachhaltigen Entwicklung ist es ein kleiner Schritt

projeto 270Projekt 270 könnte nur eine Quinta sein, doch es ist viel mehr als das. Es umfasst nur einen halben Hektar und liegt zwischen den Stränden von Riviera und Rainha an der Costa da Caparica. Es existiert seit zehn Jahren und erhielt das Zertifikat für biologische Landwirtschaft. Das Projekt wurde in Genf geboren, in einem Manifest gegen die Globalisierung unter dem Motto: “Global denken, lokal handeln”. Der Name entstand aus der Nummer der Landparzelle.

Ursprünglich war es nur ein ziemlich sandiges Stück Kleinbauernland, doch dann wurde es von Zélie und Nuno Belchior übernommen, die eine Gesellschaft in Selbstverwaltung anstrebten. Denn das Projekt 270 erhält, lebt fast ausschließlich von dem, was es produziert und erhält keine Subventionen. Das Projekt funktioniert nur durch den Einsatz seiner beiden Verantwortlichen. Gelegentlich helfen einige Volontäre. In seinem Angebot finden wir alle typischen Erzeugnisse der Jahreszeit, darüber hinaus auch Eier und Hähnchen, Äpfel und Feigen. Jeden Freitag und Samstag verkaufen sie, was sie nicht selber konsumieren,doch Zélie und Nuno tauschen auch gerne, zum Beispiel Hähnchen gegen Fisch.

Sie leben die Philosophie der Autarkie in der biologischen Landwirtschaft, auch durch die Wiederverwendung von Ressourcen, die ansonsten brach lägen. Ein schönes Beispiel hierfür ist dieses: sie erhielten 80 kg Kaffee, die sie verwendeten, um Regenwürmer zu züchten. Auch Makrelen, die die Fischer wegschmeißen wollten endeten dann als Dünger auf den Feldern.

Das Problem der sandigen Erde wurde teilweise durch Kompostierung gelöst (1). Dabei werden organische Abfälle wie Gemüse- und Eierschalen, Kaffeesatz, Blätter, Küchen- und Zeitungspapier in Nunos Regenwurmanlage kompostiert. Dadurch wurde unter dem ursprünglichen Boden eine Erdschicht geschaffen, die vollbrachte, was sonst bei diesen Böden nahezu unmöglich ist: die Unfruchtbarkeit wurde beseitigt. Außer der Lebensmittelproduktion hat das Projekt einen philosophischen Unterbau: Heilung durch Nahrung. Dafür werden entsprechende Pflanzen angebaut, beispielsweise Aloe Vera. Ihre vielen Anwendungen werden gelehrt.

Eigentlich ist Nuno studierter Historiker. Er berichtet ECO123, wie das Projekt 270 Gestalt annahm. Er reiste nach Indien und nahm an der dort beheimateten Bewegung Navdanya teil. Diese Bewegung steht für den Erhalt der Biodiversität, die biologische Produktion, die Verteidigung der Rechte der Landwirte und die Konservierung des Saatgutes. In den vier Monaten bei der Bewegung erlernte er die Techniken, die er heute anwendet. Er festigte seine philosophische und politische Basis, denn er nahm nicht nur an Fortbildungen zur natürlichen Düngung und Lebensmittelproduktion teil, sondern auch an Unterweisungen zu zivilem Ungehorsam und Boykott.

Das Projekt 270, entwickelt laut Nuno “nicht nur die landwirtschaftliche Produktion, sondern auch kulturelle Perspektiven. Wir bieten Kurse in Permakultur, Konferenzen über Unabhängigkeit im Nahrungsmittelbereich oder Fortbildungsaktionen über die Geschichte von Saatgut.” Zurzeit arbeiten sie auch am Programm 21 Tonnen (2) mit, das die Unabhängigkeit im Nahrungsmittelbereich und die Biodiversität durch kleinbäuerliche Produktion fördern will.

“Überschüssige Produktion kann man auch verwerten, indem man sie zu Mahlzeiten verarbeitet, die man wiederum verkauft und damit Geld verdient. Das findet nicht nur in der Anlage des Projektes an sich statt, sondern auf nationaler Ebene,” erklärt Nuno Belchior.

Er ist der Ansicht, dass “Bauern sich zusammenschließen und eine gemeinsame Position beziehen und sich über die schädlichen Folgen des Pestizideinsatzes fortbilden sollten.” Denn dieser bewirke “Schäden für die Gesundheit und die Umwelt letztendlich aber auch für die Wirtschaft, und damit langfristig auch für die Bauern selbst,” fügt er hinzu.

Wenn es in Portugal einen Ort gibt, an dem Biologische Landwirtschaft mehr bedeutet als nur Nahrungsmittel ohne chemische Zusätze herzustellen, dann ist es das Projekt 270.

“Die Initiativen des Projektes 270 wollen nicht nur die Entwicklung der lokalen, kleinbäuerlichen Biolandwirtschaft fördern, sondern auch die Unabhängigkeit im Nahrungsmittelbereich und die Biodiversität”

“Das Projekt 270 lebt fast ausschließlich von dem, was es produziert, ohne Subventionen”

 

Projecto 270
Estrada Florestal, nº 270, Costa da Caparica
Tel.: 914 082 318 •
Email: projecto270@gmail.com
Webpage: www.permaculturaportugal.ning.com/profile/projecto270

(1) Biologischer Prozess, bei dem organische Materie in Kompost umgewandelt wird, der als Dünger dient.
(2) Das “Programm 21 Tonnen” soll die Produktion von Nahrungsmitteln nach den natürlichen Kreisläufen fördern.
Dazu sollen 21 Tonnen organische Materie gesammelt werden. Die verschiedensten privaten, wirtschaftlichen und öffentlichen Stellen der Gemeinde wie Fischereiwesen, Schulen, Handel, Gastronomie und private Haushalte arbeiten zusammen, um dieses Material zu sammeln.

About the author

Hugo Filipe Lopes:Soziologe, Abschluss in Klinischer Ernährung der Fakultät Ega-Moniz der Uni Lissabon. Mitarbeiter in verschiedenen Online-Publikationen, Ausbilder und Ernährungstherapeut. Auszeichnungen in Wettbewerben des “Casa da Imprensa” und “Lisboa à Letra”.

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