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Small is beautiful – Teil 2

Samstag, der 2. Dezember 2023.

Fortsetzung von letzter Woche…

Die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015, (COP 21) die Begrenzung der Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius, möglichst sogar auf 1,5 Grad Celsius, im Vergleich zur vorindustriellen Normaltemperatur umzusetzen, ist nur zu erreichen, wenn die Menschheit fossile Brennstoffe durch grüne, saubere und nachhaltige Technologien ersetzt: z.B. in der Elektrizitätsproduktion, bei der Mobilität, in der Nahrungsmittelproduktion usw.  Klimaneutralität kann jedoch nicht allein durch Technologie und Marktgeschehen erreicht werden. Die Beteiligung von Bürgern und lokalen Gemeinschaften (Genossenschaften) in kommunalen Regionen sind entscheidend, um diesen Übergang demokratisch und gerecht zu gestalten und um sicherzustellen, dass alle – oder zumindest sehr viele Menschen – an den wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Vorteilen partizipieren. Der Einstieg in die Klimaneutralität kann bereits bei der Stromerzeugung beginnen.


6. Energiegenossenschaften bekämpfen Umweltkrisen

Durch die Entwicklung von Projekten für erneuerbare Energiequellen, die Förderung einer effizienten Ressourcennutzung, das Vorschlagen ganzheitlicher Maßnahmen für ein nachhaltigeres Leben (kohlenstoffarme Mobilität, abfallfreie Praktiken usw.) und die Organisation von Informations- und Aufklärungskampagnen werden Energie-gemeinschaften zu Schulen der Nachhaltigkeit und tragen zum Aufbau des Systems bei, das zum Bremsen der Klimakrise erforderlich ist. Energiegemeinschaften ermöglichen es den Bürgern, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und gemeinsam gegen den Klimawandel vorzugehen. Schon drei Bürger z.B. Nachbarn können sich in einem ersten Schritt zu einer Energiegenossenschaft auf der juristischen Grundlage des Gesetzes 162/2019 zusammenschließen und dann weitere Genossen werben.

7. Energiegenossenschaften bekämpfen Energiearmut

Viele gemeindeeigene Energieprojekte unterstützen die energiearmen Haushalte in ihrer Region. Beispiel 3: als beispielsweise die Insel Kreta im Jahr 2021 von einem Erdbeben heimgesucht wurde, beschloss die Minoan Energy Cooperative, den Strombedarf von 50 vom Erdbeben betroffenen Familien umsonst zu decken.

Als organischer Teil der lokalen Gemeinschaft können Energiegemeinschaften gefährdete Verbraucher identifizieren (die von institutionellen Programmen oft übersehen werden) und geeignete Lösungen für sie entwickeln. Wenn kommunale Projekte, Dienstleistungen und Maßnahmen in Zusammenarbeit mit Energiegemeinschaften entwickelt werden, ist ihre Wirkung tatsächlich größer.

8. Energiegenossenschaften tragen zur gesellschaftlichen Akzeptanz der erneuerbaren Energien bei

Energiegenossenschaften fördern die partizipative Planung und geben den Nachbarn die Möglichkeit, sich an den Investitionen in neue saubere Energieprojekte zu beteiligen und davon zu profitieren. Die Einbindung der Nachbarn in die ersten Schritte eines Projekts erhöht die Akzeptanz der erneuerbaren Energien in der lokalen Gemeinschaft erheblich. Und auf einmal können Menschen ihre Stromrechnungen lesen und verstehen, was sie überflüssigerweise einem großen StrEoimversorgner e kürzlich in zehn europäischen Ländern durchgeführte Untersuchung zeigt, dass die soziale Akzeptanz erneuerbarer Energiequellen durch Energiegemeinschaften deutlich zunimmt, und zwar aufgrund von Parametern wie der Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort und der Senkung der Energiepreise.

9. Energiegenosenschaften stärken den sozialen Zusammenhalt

Die Teilnahme und das Handeln in Energiegenossenschaften scheinen den sozialen Zusammenhalt zu stärken, da die Interaktion und der Dialog zwischen den Mitgliedern verbessert werden. Die Mitglieder einer Energiegemeinschaft arbeiten zusammen und entwickeln eine gemeinsame Identität, was dazu beiträgt, Loyalität und Vertrauen in die Gemeinschaft aufzubauen. Durch partizipatorische Prozesse finden sie auch kollektive Lösungen für Probleme, die die Mitglieder allein vielleicht nicht bewältigen könnten.

Darüber hinaus binden kommunale Energieprojekte die breitere Gesellschaft ein, indem sie die Bürger informieren und sie auffordern, sich an der Gestaltung von Projekten zur Erzeugung erneuerbarer Energien und zur Energieeinsparung zu beteiligen. Die Bürger vor Ort profitieren auch von Initiativen, die von Energiegemeinschaften finanziert werden. Einige Energiegemeinschaften haben zum Beispiel den Bau einer lokalen nachhaltigen Konzerthalle finanziert, während andere eine Ladestation für Elektrofahrräder und Kraftfahrzeuge errichtet haben.

10. Energiegenossenschaften stärken die Demokratie

Energiegenossenschaften sind Demokratieschulen, weil ihr Governance-Modell die Bürger mit partizipativen Entscheidungsprozessen vertraut macht. Wenn die Mitglieder an der Energiegemeinschaft teilnehmen, erwerben sie Wissen und entwickeln Fähigkeiten, die auf andere Aktivitäten und Interaktionen in anderen Lebensbereichen angewendet werden können. Institutionen und lokale Unternehmen, die direkt oder indirekt mit Energiegemeinschaften zusammenarbeiten, erfahren ebenfalls einen positiven Einfluss. Und schließlich können Energiegemeinschaften durch die Förderung einer gleichberechtigten Beteiligung Unterschiede in Bezug auf Alter, Geschlecht usw. abmildern.

Coopérnico, die erste portugiesiche Energie-Genossenschaft feierte am letzten Samstag (dem 25. November) in Lissabon Geburtstag. Das Kind wurde zehn Jahre alt.  Die Geburtstagsfeier fand im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Genossenschaft mit Vorstandswahlen statt. Mit dem alten und neuen Vorstandsmitglied Miguel Almeida sprach unser Kollege in Lissabon, António Veiga.

 

Uwe Heitkamp (64)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobby-Botaniker, Vater zweier erwachsener Kinder, kennt sei 30 Jahren Portugal, Gründer von ECO123.Translations: Dina Adão, John Elliot, Ruth Correia, Patrícia Lara, Kathleen Becker
Photos:dpa

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