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Noch sind nicht alle Schätze verloren gegangen

Algarve:

Filipe da Palma ist Fotograf und weiß die Algarve mit all ihren unterschiedlichen Facetten sehr zu schätzen. Er liebt es, ins Freie zu gehen, um zu fotografieren… und zu fühlen. “Das gibt mir eine tiefe innere Zufriedenheit und hält mich gesund”. Er fotografiert, weil er das Bedürfnis verspürt, das Schöne, aber auch das Hässliche, etwas zwischen Harmonie und Realität weiterzugeben: “Ich zeige auch gern die verwundete Algarve, die Narben und kleinen Tumore, die über das ganze Gebiet verteilt sind”. Filipe da Palmas über 20 Jahre entstandene Fotosammlung bietet einen sehr klaren Blick auf das reiche Erbe und die Kultur der Region, auf eine vergessene Algarve, die wir – seiner Meinung nach – viel stärker würdigen müssten. Nicht um in Nostalgie zu verfallen, sondern um darauf aufmerksam zu machen, dass es immer noch einige Schätze gibt, die Filipe weiterhin erhalten will – zur bleibenden Erinnerung oder um sie zu neuem Leben zu erwecken.

“Sie kommen per Flugzeug oder Schiff und steigen gleich nach ihrer Ankunft in den Bus, um nach Sagres oder Monchique zu fahren. So verhalten sich Touristen, die an der Algarve Urlaub machen. Angesichts eines sehr dünnen Verkehrsnetzes, mit einem inadäquaten Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln, gibt es nicht viele Möglichkeiten“, erklärt der Fotograf.

“Unser heutiges System macht uns mehr und mehr zu Verlierern. Die Wahl der Transportmittel erfolgt nur nach wirtschaftlichen Faktoren und dann haben wir die großen Billigreiseveranstalter, die viele Millionen Gewinn machen. Niemand kommt auf die Idee, hier die Bremse zu ziehen. Solange die Maschinerie mit Millionen am Laufen gehalten wird, Millionen, die hauptsächlich den Unternehmen und einigen wenigen Begünstigten zugutekommen, schließt man die Augen solange die offensichtlichsten Schäden kompensiert werden”, sagt er.

 „So wie die Menschen bereits in den 1960er Jahren vor dem wachsenden Tourismus an der Algarve und seiner Zerstörung gewarnt haben (darunter auch Sophia de Mello Breyner Andresen), ist dies auch heute noch ein Thema in Bezug auf die Transportmittel – speziell Flugzeuge und Schiffe. Es gibt Studien, die belegen, dass sowohl Flugzeuge als auch Schiffe absolut klimaschädlich sind, aber alle schließen Augen und Ohren. Niemand nimmt Stellung, alle kehren das Thema unter den Teppich und wollen das Touristenaufkommen immer weiter steigern.”

“Ich habe keine Lösung dafür” sagt er, mit einer gewissen Müdigkeit in den Augen. “Ich glaube nicht an diesen Massentourismus, Saisonarbeitsplätze zum Preis eines völlig zerstörten Küstenstreifens sind für mich nicht akzeptabel”, macht er seinem Ärger Luft.

Filipe da Palma benutzt wiederholt den Begriff Autophagie und führt aus, dass “die Region sich bei der Erschließung der für den Tourismus attraktivsten Orte selbst verzehrt und deren Schutz dabei vergessen hat. Jetzt müssen wir im Tourismus Angebote schaffen, die zu Wertsteigerung und mit Wertschätzung zu etwas führen, dessen eigentlicher Wert bisher nicht erkannt und geschützt wurde”.

Sonne und Sand “lassen sich immer gut verkaufen”, bestätigt er, “aber wir haben gesehen, wohin uns das geführt hat. Mit einer auf Sonne und Sand basierenden Wirtschaft, kann sich eine Region nicht qualifizieren und wenn der Tourismus sich zum Massentourismus entwickelt, wird beispielsweise auch die gesamte Meeresflora- und Fauna – speziell die Population der Seepferdchen – im Naturpark Ria Formosa durch den Bootsverkehr in Mitleidenschaft gezogen …”

Außerdem müssen zum Erhalt der Badestrände immer wieder viele Tonnen Sand an die schmalen Küstenstreifen transportiert werden. Ganz besonders berührt den in São Brás an der Algarve geborenen Fotografen das Beispiel Praia Dona Ana in Lagos – ein Strand, der als einer der schönsten der Algarve gilt. „Dona Ana wurde regelrecht vergewaltigt. Es wurde ein Ponton errichtet und der Strand mit für diesen Küstenstreifen unüblichen Sand künstlich aufgefüllt. Eine traumhafte Landschaft wurde zerstört. Sie ist verschwunden. “

Wenn wir versuchen würden, 50 Jahre Tourismus an der Algarve im Bildnis einer Frau darzustellen, wie würde sich Filipe da Palma ein solches vorstellen?  Er lächelt und sagt: “Heute ist die Algarve eine reife, aber völlig vom Leben gezeichnete Frau: vergewaltigt, ruiniert, geschlagen. Wenn wir uns über die Algarve unterhalten, sprechen wir über einen schmalen Küstenstreifen – es gibt die Algarve aber auch nördlich der EN 125. Diese ist jedoch in Vergessenheit geraten durch Landflucht verlassene Gebiete, zerfallene Häuser…”

 

Für einige Zeit sind die Einwohner der Algarve aus dem Landesinneren ausgewandert (sowohl in den Alentejo als auch an die Küste) und später wieder zurückgekehrt – “dies haben sie dann jedoch aufgegeben und sich an der Küste angesiedelt, wo es Arbeit und moderne Lebensbedingungen gibt”, sagt er. “Und die Vergangenheit wird mit Armut in Verbindung gebracht. Sowohl die Lebensmittel, von denen sie sich ernährten, als auch die Häuser, in denen sie lebten, erinnern an Zeiten der Entbehrung. Wenn es diesen Menschen nun wirtschaftlich besser geht, geben sie mehr Geld in Bereichen wie Bauen, Lebensmittel, Kleidung aus – Dinge, die sie sich aufgrund ihrer neu erreichten ökonomischen Voraussetzungen jetzt leisten können.”

Der Tourismus führt nicht nur zur Aufgabe der Lebensweise und traditioneller wirtschaftlicher Betätigungsfelder, sondern hat auch noch zahlreiche weitere Folgen für die betroffenen Gemeinden. “In Lissabon, Porto und anderen Städten des Landes macht sich jetzt auch bemerkbar, was man an der Algarve schon seit Jahrzehnten kennt. Im Süden des Landes ein Haus zu finden, das für das gesamte Jahr gemietet werden kann, ist eine Odyssee. Viele bewohnbare Häuser werden bis zum nächsten Sommer nicht genutzt, bis wieder zahlreiche Touristen an die Algarve kommen, um ihren ersehnten Strandurlaub zu verbringen. Wenn wir die Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche, die Problematik durch die Schließung vieler Schulen und die Mängel im öffentlichen Personennahverkehr betrachten, können wir leicht verstehen, warum es so schwierig ist, Ärzte, Krankenschwestern, Lehrer und qualifiziertes Personal für die Algarve zu finden”.

“Und”, fügt er hinzu, “warum sollen die Bürger an der Algarve im Supermarkt höhere Preise zahlen müssen? Wohin gehen die Millionen Euro, die die Region produziert und warum kommt nur sehr wenig davon bei den Bürgern an?

Relevante Fragen in einer Region, die seiner Meinung nach nicht “leicht zu lesen” ist. “Es ist eine fantastische Region mit einer immensen Vielfalt. Wir haben ausgedehnte Sandstrände aber auch Felsenstrände mit kleinen Buchten; wir haben den Sandstein von Silves, einen roten Felsstreifen mit herrlichem Blick auf den Atlantik, der die Algarve bis nach Sagres durchquert; wir haben den Barrocal, mit einer Fülle von Kalkstein; Berge mit Schiefer; Monchique mit dem Foiaíte (Granitgestein), dem ein  Wasser entspringt das weltweit einmalig ist. All dies wird unterstrichen durch eine einzigartige Fauna und Flora, sowie die regionale Gastronomie.”

Aber Filipe da Palma distanziert sich von der nostalgischen Idee einer Rückkehr in die Vergangenheit. “Ich glaube nicht, dass die Algarve das sein kann, was wir in den 30er oder 40er Jahren hatten. Ich interessiere mich für alle Aspekte, auch für die unschönen. Wir sind hier keine Ausnahme, der Verlust der Individualität eines Landes ist auch im Süden Spaniens, in Italien, in Frankreich oder in Irland zu beobachten. Es gibt heute keine Straße mehr, die noch dem alten Bild der Algarve entspricht”, sagt er. Und, er erwähnt Olinda, einen kleinen als Kulturerbe geschützten Ort in Brasilien, “dessen Straßenbild durchaus an die alte Algarve erinnert.”

Seiner Meinung nach liegen immer noch die größten Schätze der Algarve im Sotavento. “Was mir viel Freude bereitet, ist das Fotografieren in Olhão, Tavira, Vila Real de Santo António… Besonders mag ich Olhão. Die gesamte Ostalgarve befand sich sozusagen in einer Art Blase, wurde vergessen, weshalb eine ganze Reihe architektonischer Zeugnisse noch erhalten sind. Heute bieten diese Regionen einen Reichtum, der im Barlavento nicht mehr zu finden ist. “Um diesen Reichtum auch zu bewahren, bedarf es laut Filipe da Palma “Sensibilität” und “einer Portion Mut seitens der lokalen Behörden; der Fortschritt muss sich an Parametern und Regeln orientieren.”

Dann fährt er fort: “In Olhão, Tavira oder Vila Real de Santo António treffen wir auf den Reisenden, wie es ihn heute kaum noch gibt, wie er aber in der Vergangenheit in Portimão, Lagos oder Albufeira existiert haben könnte. Er kommt nicht wegen des Wetters, sondern ist auf Entdeckungsreise, will durch die Straßen gehen, die Ria Formosa durchqueren…”.

Wer soll an die Algarve kommen?

ECO123 fragt, welchen Besucher möchten Sie gern in der Region sehen? Filipe spricht langsam: “Jemand, der kommt, um etwas anderes zu entdecken, der auf der Suche nach der Identität eines Volkes ist, herausfinden möchte, wo und wie es lebt, was ein Volk schätzt… ein Tourist, der das Ursprüngliche sucht und nicht fragt, wo ein irischer Pub, McDonald’s oder der nächste Supermarkt ist…“

“Ich glaube nicht, dass Leute, die an die Algarve kommen, um sie kennenzulernen, Zigarettenkippen auf den Boden werfen. Sie machen sich Gedanken darüber, in welchem Lokal sie essen gehen – sie interessieren sich für die Gastronomie, das Handwerk und die Handwerker der Region… sie wollen ihr Reiseziel erkunden. Ich kann nicht sehen, dass von diesen Besuchern irgendein Schaden ausginge. Es werden nicht Tausende von Menschen kommen, um zu wandern oder Vögel zu beobachten. In Mealha oder Cachopo gibt es keine chinesischen Billigläden, aber es gibt Weber und andere Handwerker, die gute Arbeit leisten. Für sie wäre es wichtig, unter anderen Bedingungen leben zu können, als stündlich Busse voller Touristen, wie in Piódão, vorgesetzt zu bekommen.”

Und wie soll das gehen, fragt ECO123? “In Cachopo weiss man, wie köstlich Wildschwein oder ein leckerer Kichererbseneintopf schmecken, schätzt den Genuss eines guten Weines oder hausgemachten Medronhos (Schnaps aus Früchten des Erdbeerbaums) … Aber wir schaffen es nicht, das zu vermitteln. Die Einzigartigkeit dieser Region, ihre Geologie, Flora und Fauna …, stellt einen großen Reichtum dar, den es zu nutzen gilt”.

Schätzen und schützen wir, was uns geblieben ist

Wie auch viele Ausländer hat Filipe da Palma vor einigen Jahren ein kleines Haus in Mealha bei Cachopo gekauft, das heute sein Rückzugsort ist. Hier gibt es die mei-
sten palheiros (Speicher), runde, rustikale Steinhäuschen mit einem konischen aus Roggenstroh gedeckten Dach, die den sogenannten castros im Norden Portugals sehr ähnlich, jedoch kleiner sind. Dieser von IN LOCO wiederaufgebaute Ort zieht hauptsächlich Ausländer an und ist für Filipe ein überholtes Erbe. „In dem Dorf Mealha wird die jüngste Person um die 60 Jahre alt sein und die palheiros werden schon lange nicht mehr zum Lagern von landwirtschaftlichen Geräten oder Heu verwendet. Obwohl sie restauriert wurden, ist das ganze Stroh bereits wieder weggeflogen und was noch steht sind fleischlose Skelette.” Dann fragt er: „Inwieweit ist es sinnvoll, ein Erbe wiederherzustellen, das seinen Nutzen verloren hat und heute nur noch die Landschaft ziert? “

Diesen Gedanken folgend, weist der Fotograf darauf hin, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre viele der Tätigkeiten, die nicht länger von Nutzen sind, in Vergessenheit geraten werden. “Es macht keinen Sinn mehr”, sagt er und fragt dann: “Zu welchem Zweck sollen wir die Werkstätten erhalten, die dem Bau von Eselkarren dienen, wenn es keine Menschen mehr gibt, die ihr Land mit Hilfe von Maultieren kultivieren? Das Ende hier ist unvermeidlich“. Oder nicht?

Bei der Bedeutung von Erzeugnissen deren Gebrauchswert verloren gegangen ist, spielen Romantik oder auch Nostalgie immer eine Rolle. Filipe erzählt: “Das Projekt TASA [Alte Technik – Neue Konzepte] in Loulé hat in Zusammenarbeit mit einigen Handwerkern eine Menge geleistet, um die für die Region typischen Berufsfelder wiederzubeleben. Es ist nicht viel, aber das, was gegenwärtig möglich ist.“

In seiner Fotosammlung finden sich daher Aufnahmen der letzten Kalköfen in der Region, von Ziegelbrennereien in Santa Catarina da Fonte do Bispo (Fliesen, Dachziegel und Ziegelsteine, die aus dem örtlichen Tonvorkommen hergestellt werden), Flechtarbeiten aus Palmblättern und Espartogras, Zinnarbeiten und Ornamentfliesen aus Zement, aber auch wirtschaftliche Aktivitäten wie die Herstellung von Salz und “Flor de Sal”, Süßwaren sowie der Fischfang oder das Schlachten von Schweinen wurden von ihm fotografisch dokumentiert. Seine Arbeit zeigt die Traditionen einer einzigartigen Algarve, Lebenserfahrungen vom Landesinneren bis zur Küste und die Koexistenz von Heiligem und Alltäglichem.

Platibandas(1) – eine Passion

Wir sprechen jetzt über ein Thema, bei dem Filipe da Palma seine Begeisterung zurückgewinnt. Bewertung und Einordnung dieses populären architektonischen Erbes sind sein Steckenpferd.

Während wir uns unterhalten, läuft er nur langsam weiter. Vor sich eine Fotostrecke, die fünf Gemeinden zeigt. Wir befinden uns in seiner Fotoausstellung im Museum von Portimão mit dem Titel: “Sehe ich von meinem Fenster aus noch die Algarve?” (From my window do I still see the Algarve?) Eine berechtigte Frage, auf die in den seit dem 18. Mai ausgestellten Fotos Antworten zu finden sind. Entlang dieser Strecke reihen sich Fassaden fotografierter Häuser aneinander und zeigen, dass die Algarve nicht einfach weiß ist. Die Gestaltung der Platibandas, Türen, Fenster, Kamine, Dächer, Dachterrassen, Geländer sowie eines manuelinischen Fensters aus dem 16. Jahrhundert, das das Museum aus der alten “Villa Nova de Portimão” gerettet hat, füllen den Raum mit Farbe. “Nicht alles war weiß gestrichen, denn das hätte nur die Schatten hervorgehoben, und nur im Schatten zu leben reicht nicht aus, um zu leuchten”, sagt er.

Dennoch “hat sich die Algarve nie von dem vom Estado Novo (47 Jahre Faschismus) geschaffenen Weiß distanziert. Auch nach dem 25 (Nelkenrevolution, 25. April 1974). April wusste die Schule der Architekten nicht, wie man mit Kamin, Platibanda und der Farbfrage umgehen sollte. Man hatte keine Ahnung wie man all die auf den Platibandas – teils sogar prunkvoll – dargestellten Formen, Symbole, Farben und Tagträume interpretieren sollte”, erklärt er.

Der Fotograf erinnert sich, dass “die Platibandas von den Gemeinderäten unterstützt und gesetzlich gefördert wurden. Das Anbringen einer kleinen Mauer oben auf der Fassade ermöglichte es, die Dachrinne zu verdecken, die das Regenwasser auffing, das dann auf die Straße oder in eine Zisterne floss. Aber, erklärt er, “nichts und niemand verpflichtete die Menschen, die Platibandas so reichhaltig und einzigartig zu verzieren. Sie schmückten die Straßen mit Farben und Formen, die ähnlich den Kaminen, alle einzigartige Meisterwerke sind”.

In einer seiner Chroniken für die Zeitung „Sulinformação“ beschreibt der Fotograf leidenschaftlich diesen einzigartigen Aspekt traditioneller südländischer Architektur. „Wie auf einem Landschaftsbild spielten bei den Platibandas verschiedene Einflüsse eine Rolle. Bunt und vielfältig – die einen Art-Deco, die anderen naive Motive zur Schau stellend. Auch einfache geometrische Muster und Motive mit verschiedenen esoterischen Bedeutungen und sogar barocke Verzierungen waren zu finden.  Da es keine identischen Exemplare gibt, ist die Platibanda an der Algarve mit einer enormen Vielfalt vertreten.”

Die Leidenschaft des Fotografen für Platibandas begann mit einem Buch von Jacinto Palma Dias: “Die Algarve neu aufgelegt”, mit dem zusammen er das Werk “Die Algarve in 3D” veröffentlicht hat. Seitdem sammelt Filipe da Palma vom Barlavento zum Sotavento, von der Küste bis in die Berge kleine Bilder dessen, was standgehalten hat. Unsere Frage, welche Symbole er wählen würde, um heute für die Algarve zu werben, konnte er wohl deshalb auch spontan beantworten: “den Kamin, die Platibanda, die Farben der traditionellen Architektur.”

“In der heimischen Architektur sehe ich eine Marktlücke”, sagt uns der Fotograf, den einige Architekten schon um Führungen gebeten haben.  “Ein Spaziergang durch Luz de Tavira, ein Ort, in dem direkt an der Straße EN 125 entlang zahlreiche Platibandas zu sehen sind, ist ein unglaubliches Erlebnis und viel schöner, als an den immer gleichen akkuraten und geraden Fassaden moderner Villen vorbeizugehen. Vielfalt und Farbe sind eine Bereicherung für uns”, sagt er begeistert.

Viele dieser Platibandas finden sich auf den illustrierten Postkarten, die Filipe da Palma in sozialen Netzwerken veröffentlicht und deren Muster in anderen kunsthandwerklichen Produkten in den Bereichen Stoff, Geschirr, Kork und Prägearbeiten neu interpretiert wurden. “Es freut mich enorm, dass das Wort “Platibanda ” auf diese Weise auf die Reise geht, bekannt wird und in den Wortschatz und den Alltag der Menschen Einzug hält”, sagt er.

Deshalb fragt er etwas traurig: „Warum wird das volkstümliche Erbe der Algarve nicht durch Gesetze geschützt?” Und empört sich: “In der Regionaldirektion für kulturelles Erbe finden Klassifizierungen normalerweise nach wissenschaftlichen, militärischen, religiösen und industriellen Kriterien statt oder auch – im Falle der nach dem 25. April erbauten Stadtviertel – nach architektonischen Gesichtspunkten. Abgesehen von Gebäuden, die sich innerhalb von Mauern oder einem unter Denkmalschutz stehenden Bereich befinden, gibt es nur zwei oder drei als kulturelles Erbe anerkannte Beispiele.“

Für unsere Kamine, Platibandas und Fenster „gibt es praktisch nichts, was sie aufgrund ihres Wertes klassifiziert oder schützt, noch irgendwelche Programme, die ihren Erhalt fördern und unterstützen”, sagt er.

Um Klassifizierungsvorschläge einbringen zu können, versucht Filipe de Palma nun, eine Aktionsgruppe zusammenzustellen, die sich aus Menschen der unterschiedlichsten Bereiche zusammensetzt. „Es ist notwendig, andere anzustecken und das Bewusstsein zu wecken, dass wir unser reiches kulturelles Erbe erhalten müssen. Zu diesem Erbe gehören nicht nur Kirchen, Burgen, Festungen oder archäologische Stätten … Dieses Erbe zerfällt von Tag zu Tag weiter. Es muss etwas getan werden, um das einförmige Wachstum und die Dominanz des Betons umzukehren.“

(1) –  Begriff aus der Architektur zur Beschreibung eines horizontalen Streifens auf dem Gebäude, zur Verkleidung der Dachrinnen, die das aufgefangene Regenwasser auf die Straße oder in ein Auffangbecken leiten.

Dina Adão

traduções: Chris Young & Kersten Funck-Knupfer | fotografias: Filipe da Palma & Dina Adão

 

 

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