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Ein Bericht zur Gefahrenlage von Theobald Tiger

Die invasiven Akazien und Mimosen von Monchique.
Ein Bericht zur Gefahrenlage von Theobald Tiger

Ein Bericht zur Gefahrenlage von Theobald Tiger

Samstag, der 24. Juni 2023.

Wer von Caldas de Monchique zu Fuß nach Esgravatadouro geht und weiter nach Fornalha und die kleine Route, den PR5 zum Gipfel Picota hinaufsteugt, durchquert ein sogenanntes Minenfeld von Millionen Akazien- und Mimosenbäumen, einige von ihnen mannshoch, andere noch etwas kleiner, einige bereits größer. Sie reichen bis an den Rand des Asphalts der Straße. Man durchquert totes Land nach den Waldbränden von 2018. Hier wachsen die wilden Triebe von Akazien und Mimosen beiderseits des Asphaltweges und keine Rathaus hat hier mehr das Sagen. Es hat kapituliert vor diesem Minenfeld und sich zurückgezogen. Das Rathaus von Monchique schweigt sich aus zum Thema der Invasoren. Die Zusammenarbeit in dieser Sache mit GEOTA, dem Naturschutzverein, liegt auf Eis. Der Vertrag, der noch von der vorherigen Stadtverwaltung unterschrieben wurde, ist ausgelaufen und wurde nicht verlängert. Warum eigentlich nicht? Das fragt ECO123 Miguel Jerónimo von GEOTA.

Der Wanderweg beginnt in Cladas und führt über die Ruine des ehemaligen Restaurants Rouxinol hinauf zur Grundschule, die bereits seit 1999 nicht mehr unterrichtet, weil die Kinder fehlen. Hier werden Plastikverschlüsse recycled. Die Besitzer von Caldas de Monchique hatten eigentlich vor, die abgebrannte Fläche von rund 37 Hektar in eine Immobilie zu transformieren, um damit Geld zu verdienen. Doch die Idee entpuppte sich als Luftschloss. Als ich dem Besitzer Vitor Hugo Goncalves im Winter 2018 auf 2019 dringend rate, jetzt mit einer Gruppe von Freiwilligen die Akazien und ihre Wurzeln mit der Hand aus dem Boden zu ziehen, als diese Möglichkeit noch besteht, ernte ich dafür ein Lächeln. Auf meine schriftliche Anfrage, ob ich in der Beratung behilflich sein könne, ernte ich Schweigen. Warum?

Nun, fünf Jahre später, hat sich hier ein wild wachsender Djungel aus Akazien und Mimosen eingenistet und wächst weiter. Jetzt zieht keiner mehr die kleinen Bäume aus der Erde. Denn Akazien sind Tief- und Flachwurzler, mit denen sie sich in der Erde festkrallen und dem Boden das Grundwasser rauben. Mit jedem Tag wird es nun richtig teuer, falls der Besitzer des Grundstückes diese Pest wieder loswerden will. Aber vielleicht will er das gar nicht? Denn Akazien und Mimosen sind konsequente Invasoren. Gegen sie zu arbeiten ist ein Stück harte Arbeit. Vielleicht ist das alles nur ein abgekartertes Spiel mit der Natur um EU-Subventionen, die man bald abgreifen kann? Denn wenn nichts weiterhilft, auch nicht die eigene Unbedarftheit, der bekommt irgendwann Subventionen von der EU. Die wird es schon richten, wir befinden uns ja mitten im EU Netzwerk Natura 2000, das jetzt von Invasoren überwachsen wird, Millionen kleiner bis mittlerer Bäume, die dem Boden das letzte Tröpfen Wasser abringen und alle anderen heimische Bäume verdrängen. Wer sich das Artensterben der Flora anschauen möchte, komme nach Caldas de Monchique; zur Besichtigung freigegeben sind alte sterbende Korkeichen, Oliven- und Johannsibrotbäume, die von den Wurzeln der Akazien langsam erwürgt werden. Die Gebrigsbäche drumherum sind bereits ausgetrocknet. Hier geht es jetzt um Alles oder Nichts. Denn auch das Caldas-Tafelwasser mit einem ph Wert von 9,5 wird bereits aus über 900 Meter Tiefe heraufgepumpt, um in Plastik abgefüllt und bis nach Macão verkauft zu werden. Und 900 Meter ist noch nicht das Ende. Es ist nicht nur der ausgebliebene Regen aus dem Frühjahr, es ist auch eine aus dem Gleichgewicht geratene Vegetation, menschgemachte Fehler in der Botanik, beim Einschleppen exotischer Baumarten, die alle einheimischen Baumarten vernichten. Es ist der menschgemachte Klimawandel und das Nichtwissen um den heimischen Baumbestand. Ist es pure Ignoranz? Welche Ratschläge  gibt uns der ICNF?

Akazien und Mimosen stehen seit dem Feuer immer auf der To-Do-Liste des Botanischen Gartens der ECO123. Sie hatten sich explosionsartig vermehrt und machen so weiter. Als wir uns entschieden hatten, das Tal von Esgravatadouro 2018 in einen Botanischen Garten zu verwandeln, ließen wir die Akazien- und Mimosenbäume nicht aus den Augen. Zuerst einmal waren wir damit beschäftigt, die verbrannten Bäume zu fällen und das Chaos des Waldbrandes wegzuräumen. Das beschäftigte uns den ganzen Winter und Frühling in 2019, neben unserer journalistischen Arbeit. Und immer wieder rissen wir zudem junge Akazien mit ihren Wurzeln aus dem Boden, sonst wären wir heute von ihnen bereits überwuchert. Dass wir ein Auge auf sie warfen, rettete die heimischen Baumarten, die wir anpflanzten, denn der Garten soll einmal ein Freilicht-Museum werden, in dem traditionelle Baumarten dieser Breitengrade unter Naturschutz wachsen dürfen. Traditionelle Baumarten wachsen langsam, über Jahre und Jahrzehnte, und sie gehen sorgsam, sparsam, ja genügsam mit dem wenigen Wasser um, das sich noch im Boden befindet. Viele junge Bäume müssen wir durch den Sommer hindurch jeden Abend bewässern. Dazu benutzen wir das Wasser einer alten Wassermine und auch einen kleinen Abschnitt des Baches, in den eine Quelle mündet, den wir gestaut haben.

Als wir mit dem Bepflanzen der verschieden Klimazonen des Tales begannen, hatten wir eine Ecke des Geländes völlig der Natur überlassen. In dieser Ecke von circa 120 m² befinden sich zwei Johannisbrotbäume, zwei Feigenbäume, zwei noch kleine Korkeichen, ein alter Mandelbaum und nun auch 252 Akazien in einer Höhe von rund sieben Metern. Jetzt, fünf Jahre nach dem Waldbrand, und vor dem nächste heißen Sommer 2023 nehmen wir diese Terrassen der Ecke einmal genauer unter die Lupe. Das Gelände ist steil, ein Abhang fällt 30 Meter bis zu den ersten Olivenbäumen. Hier wächst auch alter Wein und dazwischen wuchern wild und undurchdringbar wilde Brombeerbüsche, die ein Arbeiten an den Akazien nicht zulassen. Zuerst einmal müssen wir die Brombeerbüsche freischneiden, um Zugang zu den Akazien zu bekommen. Wir haben vor, „ihnen das Fell über die Ohren zu ziehen“ …

Um das Waldbrandrisiko zu minimieren, stellen wir einen mobilen Sprinkler auf, der das gesamte Gelände einnäßt und zwar so naß macht, daß ein Funkenflug mit der Motorsense verursacht, keinerlei Auswirkungen hat. Und ja, ein Feuerlöscher steht auch bereit und mehrere Eimer Wasser an jeder Ecke. Bevor wir z.B. anfingen, Quercus Canariensis, die Monchique-Eiche zu pflanzen, bevor wir Schirmpinien, Walnussbäume und Ulmen pflanzten – implantierten wir ein hochpotentes Sprinklersystem, um bei künftigen Waldbränden, den gesamten zukünftigen Botanischen Garten – bevor ein Feuer ihn erreichen kann – unter Wasser zu setzen. Im Waldboden wurden 1 ¼ Zoll- Wasserleitungen in 30 bis 40 cm Tiefe verlegt, die am Sprinkler selbst in ein Stahlrohr münden. Drei Meter ist dieses Stahlrohr lang und am Ende wird der Sprinkler auf ein Gewinde geschraubt. Dann wird er einbetoniert und abgeseilt. Mit dem Druck von sechs bar hat er eine Strahlkraft von 25 Metern. Er verbraucht pro Stunde 5.000 Liter Wasser, das aus einer riesigen Zisterne stammt, die wiederum mit Regenwasser (über Dachrinnen) gefüllt wird. Acht solche Sprinkler gibt es in der Zwischenzeit.

 

In der nächsten Woche lesen Sie hier, warum ECO123 mit einem Botanischen Garten seinen ökologischen Fußabdruck verringert und warum heimische Bäume die wirklichen Klimafreunde sind. Ein Wald mit tausend neuen einheimischen Bäumen transformiert jeden Tag mindestens eine Tonne CO2 in Sauerstoff. Wollen Sie daran teilhaben, wollen Sie mitmachen? Dann werden Sie Mitglied in der Genossenschaft des Botanischen Gartens.

 

 

 

Theobald Tiger

Photos: Theobald Tiger

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