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Surfing the Nations

Wenn jemand die Devise “global denken, lokal handeln” wörtlich nimmt, dann ist es Tom Bauer, Gründungsmitglied von Surfing the Nations (STN). Die Organisation wurde 1997 in Hawai gegründet und ermöglicht es Tom, seine beiden Leidenschaften zu vereinen: Surfen und humanitäre Arbeit.

Das Motto soll den Eindruck widerlegen, dass surfen nur von Egomanen betrieben wird, die von persönlicher Selbsterfüllung besessen sind. Es soll aber auch die Surfer bewegen, ihre persönliche Komfortzone zu verlassen und Hoffnung und Wandel dahin zu bringen, wo beides fehlt. Doch wie soll der Surfsport dazu beitragen?

Die STN hilft einheimischen Surfer in unterentwickelten Ländern wie zum Beispiel Bagladesch oder Indonesien, Surfclubs zu gründen. Diese Clubs bieten finanzielle Stabilität durch Surfkurse oder Surfbrettvermietung. Doch sie können auch die lokale Wirtschaft ankurbeln, denn sie ziehen Gäste an, die an unberührten Orten surfen wollen. So war das in den 60er Jahren auf Hawai.

Zunächst war es eine lokale Sache. Jugendliche aus Kalihi (Honolulu), wo die Organisation ihren Sitz hat, wurden angeworben. Die erste Aktion, die immer noch läuft, war die “Speisung der Hungrigen” in Bali, Indonesien. Dann wurde das Programm auf 30 Länder ausgeweitet. “Auf praktisch jeden surfbaren Ort mit Küste”, wie Tom sagt. Inzwischen erreicht die Speisung über 2.000 Menschen pro Woche. In zehn verschiedenen Ländern gibt es Arbeitsgruppen, die sich aus Praktikanten zusammensetzen, und die Schweiz ist das erste europäische Land mit einer Filiale der STN. Damit das auch in Portugal geschehen kann, braucht es nur den guten Willen.

Die STN betreibt auch ein Musikstudio und organisiert Konzerte und Workshops in Performance Art, um junge Talente vor Ort zu fördern, und sie bietet Führungskräftetraining und Schwimmstunden an.

Eine nutzbare Ressource
Auf internationaler Ebene hat die STN schon Aktionen in so verschiedenen Ländern wie Ägypten, Jordanien, Sri Lanka, China, Qatar, Iran oder Israel durchgeführt. Ebenso wie auf lokaler Ebene beschränken sich die Aktionen nicht nur auf Aspekte, die mit dem Surfen zu tun haben. Es werden auch notwendige Güter wie Nahrungsmittel und Kleidung verteilt, Wasserfilter eingebaut oder das Fischen mit der Harpune gelehrt. “Wir haben festgestellt, dass die Surfer eine nutzbare Ressource sind, die notleidenden Menschen in der ganzen Welt helfen können”, sagt Tom.

“Surfing the Nations verteilt notwendige Güter und bietet Ausbildung auf verschiedenen Gebieten an, um finanzielle Stabilität zu fördern.”

“Wenn das Surfen mehr als ein Sport sondern eher eine Weltanschauung ist, dann ist Surfing the Nations zweifellos die beste Verwirklichung dieser Idee.

 

Interview Gisele Pitot, Branding Director Surfing the Nations

Gisele Pitot Surfing the nationsECO123:Ich habe gehört, dass es seit letztem Jahr eine Filiale von Surfing the Nations in der Schweiz gibt. Werden Sie da am Ort arbeiten, wie am Hauptsitz der STN? Wie genau soll das funktionieren?

Die schweizer Filiale ist noch im Entwicklungsstadium. Wir müssen noch ein Netzwerk von älteren Mitarbeitern und Praktikanten der STN aus Hawai aufbauen, damit sie sich auf den lokalen Aussenposten einbringen und an den Sommeraktionen teilnehmen. Wir haben noch keine feste Struktur oder formelle Pläne, doch einige der Mitarbeiter leisten hier Pionierarbeit, bleiben Sie gespannt!

ECO123:Gibt es Pläne, die STN auf den Rest von Europa auszuweiten?

Im Moment noch nicht. Das Team der schweizer STN wird sich wahrscheinlich (100% sicher bin ich mir nicht) auch nach Frankreich (Biarritz hat sehr gute Surfreviere) und Irland (das hat auch klasse Surfgebiete) orientieren, oder überall hin, wo die Wellen rufen!

ECO123:Gab es schon einen Kontakt mit Portugal? Und wenn jemand von hier (oder aus irgendeinem anderen Land) sich der STN anschliessen oder eine Filiale eröffnen will, was muss er tun?

Soweit ich weiss, gab es keine Kontakte mit Portugal. Falls wir uns in diese Richtung ausdehnen wollen und jemand von dort etwas anfangen will, müssen er ein obligatorisches Praktikum in unserem Hauptsitz auf Hawai machen, wahrscheinlich ein Jahr lang dort arbeiten, erst dann können wir reden! Die STN ist kein Franchise-Unternehmen, wir machen nicht überall, wo wir wollen Filialen auf, wir gehen nur dahin, wo wir eine reale Möglichkeit sehen, dass wir langfristig arbeiten können, wie in Sri Lanka, Bangladesch und der Schweiz.

ECO123:Halten Sie Kontakt mit den Leuten, denen Sie geholfen haben, und wenn ja, haben Sie einige Erfolgsstories zu erzählen?

Ja, wir halten Kontakt zu unseren Freunden im Nahen Osten (Ägypten und Israel), in Bangladesch, Indonesien und Sri Lanka. Seit 17 Jahren besuchen wir einige dieser Länder regelmäßig einmal im Jahr. Wir sind sehr daran interessiert, in diese Länder zurückzukehren und haben kürzlich auch die Philippinen auf unsere Liste gesetzt. Wir glauben daran, langfristige Beziehungen aufzubauen und wirklich die neue Art, Surfer zu sein, in diese Weltgegenden zu tragen.

Übrigens, Geschichten ….hm, eine Geschichte habe ich vor kurzem gehört, die kam von unserem Posten in Baía de Arugam, in Sri Lanka. Eines unserer ältesten Teammitglieder dort bringt also einem Jungen, der Siam heisst bei, Dings (1) am Surfbrett zu reparieren. Der Geschichte nach war Siam ein Kind, das sich immer in der Nähe der einheimischen Surfer aufgehalten hat, doch nie zu der Gruppe gehörte. Er hatte oft darum gebeten, dass man ihm ein paar Tipps gäbe, wie man Dings repariert, doch er war nie Insider und keiner erzählte ihm etwas. Schliesslich übernahm unser Mann Andy die Verantwortung für den Jungen und brachte ihm viel bei. Inzwischen ist Siam finanziell unabhängig. Aber darüberhinaus hat Andy ihm auch gute Geschäftspraktiken beigebracht, eben dass man keine Leute betrügt, wie man regelmäßige Kunden hält, indem man sie gut behandelt, wie man sich um die Waren kümmert, wie man sein Geld verwaltet. Auf diese Art hat Siam nicht nur eine hervorragende Möglichkeit, sich und seine Familie zu erhalten, er entwickelt sich auch zu einem charakterstarken Menschen und einem Führer in seiner Gemeinde.

(1) “Ding” ist ein englischer Begriff, der ganz allgemein jeden Schaden am Surfbrett bezeichnet.

Kontakt: Surfing The Nations
P.O. Box 860366 Wahiawa, Hawaii 96786 USA
Tel: 808 622 6234 Fax: 808 622 6236
Email: info@surfingthenations.com
Web: http://surfingthenations.com

About the author

Hugo Filipe Lopes:Soziologe, Abschluss in Klinischer Ernährung der Fakultät Ega-Moniz der Uni Lissabon. Mitarbeiter in verschiedenen Online-Publikationen, Ausbilder und Ernährungstherapeut. Auszeichnungen in Wettbewerben des “Casa da Imprensa” und “Lisboa à Letra”.

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