Home | Short Stories | Nº 27 – Wie blind kann man nur sein?
Die richtigen Schlüsse aus der Geschichte ziehen.

Nº 27 – Wie blind kann man nur sein?
Die richtigen Schlüsse aus der Geschichte ziehen.

Freitag, der 1. Mai 2020

Der Erste Weltkrieg wurde durch die Spanische Grippe 1918 beendet. Dieser Satz – so wie er da steht – stand so in noch keinem Geschichtsbuch. Warum eigentlich nicht? Diese Epidemie soll die Zahl der im Felde Gefallenen um mehr als das Dreifache überstiegen haben. Die Spanische Grippe hat nichts mit Spanien zu tun. Wußten Sie das? Die Spanische Grippe wurde aus den USA nach Europa eingeschleppt. Die Mutter aller Pandemien, wie sie auch genannt wird, begann, als ein Virus in der Massentierhaltung eines Hühnerstalls im Bundesstaat Kansas, genauer gesagt im Haskell County, im Frühjahr 1918 auf den Menschen in Form eines Geflügelfarmers übersprang und von dort aus mit dem US-Militär nach Europa und in den Ersten Weltkrieg getragen wurde. Und noch was: Napoleons Kriege wurden durch das Gelbfieber, der 30-jährige Krieg durch die Pest beendet. Soll ich Ihnen weitere Pandemien nennen? Die Schweine- und die Vogelgrippe, die Hongkong-Grippe, Cholera und Ebola in Westafrika: wie Seuchen Weltmächte und Systeme stürzen? Wie wird es wohl den USA in ein paar Monaten gehen? Hochmut und Dummheit kommen immer vor dem Fall. Und auch damals gab es wie heute Verschwörungstheorien. Denen werde ich mich hier nicht widmen. Ich möchte mit dieser Geschichte ganz woanders hin.

Welchen Sinn ergibt es, wenn Generationen von Historikern und Wirtschaftswissenschaftlern, Journalisten inklusive, an Universitäten ausgebildet werden und diese nicht im Ansatz in der Lage sind, der Menschheit mit Informationsvermittlung nützlich zu sein? Oder anders ausgedrückt, warum waren Geschichtslehrer und Journalisten bisher so nutzlos in ihrer Arbeit für die Menschheit? Diese ungeheure Masse an Wissen, an vermeintlicher Intelligenz (durch Information) hat bis heute keine Pandemie verhindert. Im Gegenteil. Wir können lernen, wenn wir in der Schule und von unseren Eltern und Großeltern etwas mit auf den Weg bekommen hätten, was heute allgemein nützlich ist: Achtsamkeit und Geduld. Lernen wir das bei Facebook? Lernen wir nicht. Leben, arbeiten und amüsieren wir uns denn nur, weil es ja immer irgendwie weitergehen muß mit dem Leben und dem Arbeiten, mit dem Ego? Leben wir, weil wir gar nicht anders mehr können?

Diese Chance hatten wir jetzt. Warum nutzen wir sie so wenig? Sechs Wochen hatten wir Zeit, in uns zu gehen, zu meditieren, nachzudenken, Auswege aus der Sackgasse zu finden. Bei der Spanischen Grippe gab es im Herbst 1918 eine zweite und dann später eine dritte Welle der Ansteckung. Ihnen fielen mehr als 50 Millionen Menschen zum Opfer. Kein Problem?

Nun, wir könnten es jetzt ja mal mit etwas Mathematik versuchen. Es gibt nahezu acht Mrd. Menschen, ein paar Millionen von ihnen sind entbehrlich. Sind sie das? Ist dem Schöpfer bei der Konstruktion des Menschen ein Baufehler unterlaufen? Wir leben im Durchschnitt 70 Jahre und essen jedes Jahr circa 100 kg Fleisch und streben nur nach etwas, was Karl Marx als den Mehrwert bezeichnete und dem andere Philosophen ein anderes Etikett, eine andere Bezeichnung gaben. Aber das ist letztendlich egal. Wichtig wäre jetzt, was wir mit unserer Intelligenz anstellen, wie wir aus dem Labyrinth der Krisen wieder herausfinden könnten. Und da sind sowohl die Wirtschaftswissenschaftler als auch die Historiker gefragt. Doch schon wie 1918 kommt auch im Jahr 2020 nichts. Alle wollen jetzt wieder ihre Bewegungsfreiheit zurück. Bitte schön. Nehmen wir sie uns und stecken und alle gegenseitig mit Covid-19 an. Gehen wir daran zugrunde! Das Leben ist nur eine Frage der Entscheidung zwischen dem Haben und dem Sein, nicht wahr? Und der Rest ist eben nur Geschichte, oder? Der Mensch trägt einen kollektiven Defekt in sich. Er besitzt kein kollektives Gedächtnis und er ist sehr vergesslich. Er reproduziert sich alle 20 Jahre und entfernt sich immer mehr von sich selbst.

Ich empfehle das Buch „Epidemics and Society. From Black Death to Present “ von Frank Snwoden, erschienen in der Yale Universität, Gratis-Lektüre über Google.

Uwe Heitkamp (60)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobby-Botaniker, Vater zweier erwachsener Kinder, kennt sei 30 Jahren Portugal, Gründer von ECO123.

Check Also

Nº 138 – So etwas spricht sich herum!
Ein Gast-Kommentar von Matthias Toying

Samstag, der 3. Dezember 2022.   Dieser Tage wird in Monchique ein Wanderfestival veranstaltet. Aufwändige …

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.