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Zweiter Teil

Nº 119 – Was läuft falsch mit dem europäischen Bahnnetz?
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Zweiter Teil

Samstag, der 25 Dezember  2021.

Obwohl die Schiene eine umweltfreundliche Alternative zu Flügen und Autofahrten ist, nutzen nur wenige Passagiere die Bahn. Obwohl die EU seit Jahrzehnten an einem einheitlichen europäischen Schienennetz arbeitet, ist dies noch immer eher Vision als Realität. Die Gründe sind vielfältig. Sie reichen von jahrzehntelangen Fehlinvestitionen über Marktabschottung bis zur gescheiterten Liberalisierungspolitik der 90er Jahre. Unser Leitfaden, damit Sie sich sicher bewegen können auf den Gleisen der europäischen Bahnpolitik.

Was läuft falsch mit dem europäischen Bahnnetz?

Das europäische Bahnnetz gleicht einem Flickenteppich. Die EU-Staaten haben jahrzehntelang wesentlich mehr in die Straßen als in Schienen investiert. Deshalb ist das Netz an den Grenzen zersplittert, nur wenig genutzt oder sogar vollkommen unbefahrbar. In den vergangenen 20 Jahren wurden europaweit 6.000 km Schienenwege stillgelegt. Nach Angaben des italienischen Forschungszentrums Osservatorio Balcani e Caucaso gibt es an einem normalen Tag in der EU nur 125 internationale Schnellzugverbindungen. Trotz anderslautender Versprechen verzögert sich der Ausbau des europäischen Netzes massiv. Die Ausrüstung der Infrastruktur mit einem einheitlichen Signalsystems (ERTMS) sollte bereits weit fortgeschritten sein, ist aber erst zu zehn Prozent abgeschlossen.

Das europäische Bahnnetz gleicht einem Flickenteppich. Die EU-Staaten haben jahrzehntelang wesentlich mehr in die Straßen als in Schienen investiert. Deshalb ist das Netz an den Grenzen zersplittert, nur wenig genutzt oder sogar vollkommen unbefahrbar. In den vergangenen 20 Jahren wurden europaweit 6.000 km Schienenwege stillgelegt. Nach Angaben des italienischen Forschungszentrums Osservatorio Balcani e Caucaso gibt es an einem normalen Tag in der EU nur 125 internationale Schnellzugverbindungen. Trotz anderslautender Versprechen verzögert sich der Ausbau des europäischen Netzes massiv. Die Ausrüstung der Infrastruktur mit einem einheitlichen Signalsystems (ERTMS) sollte bereits weit fortgeschritten sein, ist aber erst zu zehn Prozent abgeschlossen.

 

Die deutlich höheren Investitionen in die Straße statt in die Schiene haben zu dem desolaten Zustand der Schieneninfrastruktur in Europa beigetragen. Zwischen 2000 und 2019 wurden in der EU, dem Vereinigten Königreich, Norwegen und der Schweiz insgesamt 843 Mrd. EUR in die Schiene investiert, während 1.341 Mrd. EUR für Investitionen in die Straße aufgewendet wurden. Diese Lücke scheint sich in nun zwar langsam zu schließen, aber es gibt noch keine Anzeichen für eine echte Veränderung in der EU-Bahnpolitik.

Die großen nationalen Eisenbahnunternehmen machen es ihre Kunden nicht leicht. Obwohl die EU sie dazu ermutigt, für Wettbewerb auf den nationalen Märkten zu sorgen, tun das nur wenige. Stattdessen vereinbaren sie untereinander sogenannte „Nichtangriffspakte“, in denen sie sich gegenseitig versichern, ihr Geschäft auf ihre eigenen nationalen Märkte zu beschränken. Das haben mehrere Insider gegenüber Investigate Europe bestätigt. Deshalb mangelt es an grenzüberschreitenden Zugverbindungen. Nur für 51 der 150 meistgenutzten Kurzstreckenflüge in der EU existieren laut einer Greenpeace-Studie überhaupt Bahnangebote, auf die Reisende ausweichen könnten. Passagiere müssen eine Zugreise durch Europa zudem aufwendig planen. Denn es gibt keine Website, in der alle Fahrpläne und Fahrkartensysteme kombiniert sind. Ein entsprechendes Transparenz-Vorhaben im Rat der EU haben mehrere Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland, blockiert.

Sind Züge die nachhaltigste Verkehrsform?

Ja. Global betrachtet, ist der Straßenverkehr für 75 Prozent aller Verkehrsemissionen verantwortlich. Der Schienenverkehr nur für ein Prozent. Das Schienennetz kann sehr gut mit Strom aus Wind- oder Solarkraft betrieben werden, weil der Energiebedarf beinahe konstant ist. Das Netz der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) wird bereits vollständig mit erneuerbarem Strom betrieben. Im Netz der Deutschen Bahn lag der Anteil erneuerbare Energie im Jahr 2014 bei 40 Prozent, bis 2038 soll er bis auf 100 Prozent steigen. Das zeigt, dass Klimaneutralität im Schienennetz möglich ist.

n der Luftfahrt hingegen setzen Billigfluggesellschaften zwar auf neue Flotten mit geringerem Schadstoffausstoß. Doch diese sind noch immer drei- bis viermal umweltschädlicher als die Bahn.

Wollen die Menschen überhaupt mit der Bahn reisen?

Sieht ganz danach aus. Zwei von drei Europäern würden ein Verbot von Kurzflügen unterstützen zu Zielen, die innerhalb von zwölf Stunden mit dem Zug erreicht werden können, um den Klimawandel zu verlangsamen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von EUpinions aus dem Jahr 2020. Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland (63 %), Frankreich (72 %), Polen (73 %), Spanien (80 %) und den Niederlanden (65 %) möchte mehr Nachtzüge zu vertretbaren Kosten nutzen. Auf viel befahrenen Strecken, wo in Hochgeschwindigkeitszüge investiert wurde (z. B. Madrid-Barcelona oder Mailand-Rom), reisen mehr Fahrgäste mit der Bahn als mit dem Flugzeug.

 

Report by Investigate Europe

Lisboa-Madrid-Berlin

Fotos: dpa ;ilustration: Investigate Europe

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