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Erster Teil – Alles Männer, oder was?
Zweiter Teil – Interview mit João Duarte CPM

Nº 102 –
Erster Teil – Alles Männer, oder was?
Zweiter Teil – Interview mit João Duarte CPM

Samstag, der 28. August 2021

Keine Frau, die kandidiert. Sind das denn wirklich alles nur Männer auf diesen Wahlplakaten? Mehr als die Hälfte der Menschheit nimmt an dieser Wahl gar nicht teil. So etwas geht gar nicht. Ich betrachte mit den Augen des Journalisten, eines EU-Ausländers die Kommunalwahlen nicht in Afghanistan, nein, in Portugal. Und was mir angeboten wird, liebe Politik, nein, in Monchique und in vielen anderen Gemeinden des Landes ist nicht die repräsentative Auswahl an Kandidatinnen, die ich mir wünschte.

Und da kandidiert auch noch so ein Hansel von dieser neuen neofaschistichen Partei namens Chega, natürlich auch noch ein Mann. Dem habe ich nur ein paar Worte entgegenzusetzen, die da lauten: Fick Dich! Basta. Der wünscht sich, daß Brandstifter in Portugal härter bestraft würden. An einen Baum festbinden und verbrennen. Mir reichen die Worte des Gesetzes, vor allen Dingen aber, daß diese Gesetze auch wirklich mal von der Justiz angewendet werden. Bekommt einer von den Brandstiftern ein Urteil von zwölf Jahren Knast, dann soll er diese zwölf Jahre auch dort verbringen und nicht schon nach zwei, oder vier oder sechs Jahren wieder zuhause bei Mama die Füße unter den Tisch stellen dürfen. Ein Staat auf der Basis von Rachsucht hat keine Zukunft. Die einzige Zukunft, die ein Staatswesen hat, baut sich auf Gerechtigkeit und Fairness.

So wünsche ich mir wirkliche Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und das bedeutet, daß eine Wählerschaft die Auswahl hat, wen sie wählen geht. Das nenne ich dann Gerechtigkeit. Das Wahlsystem ist von Männern gemacht und gibt uns allen keine wirkliche Wahl. Denn mehr als die Hälfte der Menschheit, die Frauen, sie stehen gar nicht zur Wahl. Warum eigentlich nicht? Von den sechs männlichen Kandidaten in Monchique habe ich fünf interviewt und mir scheint, daß keiner von diesen fünf Männern wirklich 100 % qualifiziert für diesen Job des Bürgermeisters ist. Oder irre ich mich? Einer mehr, die anderen alle etwas weniger. Darf ich das überhaupt sagen, schreiben? Bin ich nicht neutral? Neutral? Nein, ich bin nicht neutral, aber unabhängig. Ich gehöre keiner Partei an und schaue mir deshalb alle mit der Lupe genau an. Mich kann keiner überreden, ihn besser darzustellen als die anderen. Leider hat keiner von ihnen einen Masterplan für die Lösung des größten Problems der Menschheit: die Waldbrände, den Klimawandel. Keiner will das heiße Eisen wirklich anfassen und es lösen. Eine Frau aber könnte es vielleicht besser. Sie wäre unabhängiger in ihren Entscheidungen. Frauen in Portugal besitzen eine bessere Ausbildung und gelten als mutige Menschen in der Politik. Denn es geht nicht nur um knallharte Entscheidungen, es geht auch um die Vermittlung dieser Entscheidungen beim Wähler.

 

Landflucht

Soll Monchique klimaneutral werden und falls ja, wie? Wie wollen die Herren Politiker diese katstrophalen Waldbrände stoppen? Diese Frage habe ich jedem Kandidaten gestellt und die Antworten waren – um es mal mit einem Wort auszudrücken – enttäuschend. Der eine sagte, er wolle das Problem lösen, in dem er das Pferd „Monchique“ meiner Meinung nach von hinten aufzäume. Ohne Sattel kann man solche Tiere schlecht reiten, aber es geht, wenn man es lernt. Man muß mit dem, was man besitzt, zurecht kommen. Ja, die Landflucht …

Erst wollen die Kandidaten Monchique wiederbevölkern. Wenn aber keiner von außerhalb nach Monchique umziehen will, weil die Leute wissen, daß es dort immer brennt? Und überhaupt, warum brennt es immer in Monchique? Gibt es qualifizierte Arbeitsplätze in Monchique? Hat Tesla ein Werk in Monchique? Wird hier Solar- oder Windenergie selbst erzeugt und direkt verkauft? Ist die IT Branche führend in Monchique? Da muß doch das Problem begraben liegen, bei den attraktiven Arbeitsplätzen, bei gutem Verdienst. Graben wir das Problem aus, sezieren wir es und schauen wir uns die Lösungsmöglichkeiten genauer an. Warum brennt es immer in Monchique? Müssen wir den Leuten die Streichhölzer wegnehmen? Müssen wir Lösungen für die Unzufriedenen, die Zurückgelassenen, die Brandstifter und für die Leichtsinnigen finden, wenn wir uns mit Politik beschäftigen? Ja, ganz sicher. Wir müssen Teil der Lösung werden. Und wir müssen die Gründe erkunden, warum es in Monchique alle paar Jahre brennt.

2018 war es ein Gemisch aus Fahrlässigkeit der EDP und Inkompetenz des Zivilschutzes und der Feuerwehren, die einen bereits gelöschten Waldbrand nicht unter genaue Beobachtung stellten. Das Feuer entzündete sich bei einem Windwechsel neu. Es geht darum, Feuer und Waldbrände zu entmystifizieren, also genau zu analysieren, wie ein Feuer entsteht, warum es nicht gelöscht werden konnte und was es braucht, um Waldbrände dieser und anderer Art künftig professioneller zu bekämpfen. Und es geht darum, die Risiken zu minimieren, in die Prävention zu investieren, in Bildung und Befähigung der Bevölkerung, Feuer in den ersten 15 Minuten – vor seiner flächenmäßigen Ausbreitung durch Wind – unmittelbar zu löschen. Natürlich ist auch die Monokultur Eukalyptus ganz entscheidend für die Brennfähigkeit des Waldes in Monchique. Eukalyptus ist eine Baumart, die dem Boden die Feuchtigkeit entzieht, das Wasser zu Öl transformiert, welches hervorragend brennt. Wenn wir von Forstwirtschaft sprechen, was meinen wir damit? Nachhaltig und vorbildlich bewirtschaftete Mischwälder? Oder sehen wir den Wald wie einen Selbstbedienungsladen, in dem wir Bäume als Industrieholz betrachten und uns aussägen, was IKEA oder The Navigator Company benötigen, um ihre Maschinen zu füttern.

Offensichtlich hat der Stock im portugiesischen Alltag immer noch eine ehrenwerte Funktion. Das muß sich auch ändern. Man droht Kindern und Erwachsenen und auch Tieren mit einem Stock – und – erreicht nichts. Man sät Angst, in dem man droht. Es brennt in Portugal seit vielen Jahren. Und die Regierungen, egal welcher politischen Farbe, haben noch nie ihr Konzept der Strafandrohungen infrage gestellt. Der Befehl, halte dein Grundstück sauber, fälle 50 Meter rund um dein Haus herum alle Bäume, säubere das Unterholz, oder es knallt mit einer saftigen Geldstrafe, reißt keinen Menschen mehr vom Hocker und motiviert keinen, das brachliegende Grundstück zu bestellen. Salazar ist tot. Das sollte auch António Costa mittlerweile wissen. Und die Leute ziehen vom Land in die Stadt. Warum eigentlich?

Weil sie sich dort ein besseres Leben wünschen. Ich frage mich seit langem, warum füllen wir unsere Demokratie nicht mit besserem Leben? Dazu gehört auch, Frauen an der Macht zu beteiligen, wo Männer seit vielen Jahren keine Lösungen zustande bringen. Indira Ghandi in Indien, Rute Silva in Vila do Bispo, Rosa Palma in Silves und Isilda Gomes in Portimão belegen mit guten Beispielen, dass Lösungen menschgemachter Probleme von Krieg über eine Pandemie bis zum Klimawandel existieren, wenn eine die Probleme auch lösen will.

Waldbrände löst man mit dem Kopf und mit intelligenten und beherzten Investitionen in die systemreleveanten Dienstleistungen der Feuerwehren – und durch ständige Kontrolle unabhängiger, nicht korrupter Prüfer. Und Frau bestraft kein schlechtes – aber ja, – belohnt gutes, lösungsorientiertes Umweltverhalten. Das Unvorstellbare vorstellbar machen. Waldbrände sind in der Zwischenzeit ein so gigantisches Thema, daß man es mit der Bazooka (Ursula von der Leyen) angehen muß und nicht mit der Schrotflinte eines lokalen Wildschweinjägers. Stellen wir uns vor, die Feuerwehr in Monchique gäbe es nicht nur in Monchique selbst, aber auch im 20 km entfernetn Marmelete und im acht km entfernten Alferce und in einigen weit entfernten Flecken wie Selão und Caldas, Tojeiro und Portela da Viuva, Perna da Negra und Fornalha. Viel Geld nehmen und in die Verbesserung der Feuerwehren investieren und sie dezentralisieren, um schneller an die Orte der Waldbrände zu kommen, um sie zu löschen. Auch um zu zeigen, wie wichtig uns die Feuerwehren in einem demokratischen Staat sind. Vier Feuerwehrautos der Waldbrandbekämpfung auf 400 km² reichen nie aus, aber mit 40 Autos und vielen gut ausgerüsteten und gut bezahlten Mannschaften hat man eine Basis. Der Beruf der Feuerwehrfrau gehört in diesen Jahren zu den wichtigsten Berufen, die es gibt. Sie schützen die Umwelt und die Menschheit vor dem Klimawandel. Wenn ich und Sie abends ins Bett gehen, schützen sie uns, in dem sie Feuer löschen und Wache stehen.

Der ehemalige Bürgermeister von Monchiue Rui André von der PSD, hat drei Jahre lang die Opfer des gigantischen Waldbrandes von 2018 an der Nase herumgeführt. Er hat viel Wiedergutmachung versprochen und nichts davon eingehalten. Kein einziges Haus der 61 zerstörten Häuser der Familien mit erstem Wohnsitz wurde wiederaufgebaut und die 50 niedegebrannten Häuser der Geschädigten mit 2.Wohnsitz werden auch nicht wiederaufgebaut, wenn nicht die im Gericht vertretenen Selbsthilfvereine eine Wiedergutmachung juristisch für sie erstreiten. Der Bürgermeister ist dem Strafverfahren gegen den mutmaßlichen Brandstifter nicht einmal beigetreten, wie es sich für einen verantwortungsvollen Politiker doch gehört. Wer eine solche Politik der Versprecher betreibt, darf sich nicht wundern, wenn aus enttäuschten Bürgern Chega-Gefolgsleute werden.  Rui André hat sich nicht einmal um die Schadensaufstellung gekümmert und hat den PDM Masterplan über 12 Jahre lang verschleppt. Wer sich nicht um die Schadensaufstellung kümmert, der interessiert sich auch kaum für die Schadensregulierung. Eine grundsätzliche Lösung wäre, ein Gesetz in der Nationalversammlung zu verabschieden, daß Häuser gegen Feuer, Sturm und Erdbeben versichert sein müssen, bevor sie eine Wohnlizenz erhalten. Welche Vorstellung die freien Wähler von Cidadãos para Monchique zum Thema Waldbrände und Klimawandel haben und was sie dagegen unternehmen möchten, erklärt heute Joao Duarte im Interview mit ECO123.

Zweiter Teil: Lesen und hören (Podcast) Sie das Interview mit João Duarte CPM ab hier. Sie benötigen ein aktives Abonnement um das nachfolgende Interview lesen zu können.

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Mein Name ist João Duarte, ich bin 48 Jahre alt. Ich wurde hier in Monchique geboren und lebe auch hier. Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder und bin Diplomingenieur für Maschinenbau.

ECO 123: Was hat Sie dazu bewogen, sich als Bürgermeisterkandidat von Monchique aufstellen zu lassen?

João Duarte: Seit fast 20 Jahren müssen wir mit ansehen, wie unser Landkreis immer mehr verfällt. Wir sehen keine Zusammenarbeit von Politikern und Bürgern. Ich habe eine eher technische Vision, und ich glaube, dass wir die Vision unseres Dorfes verändern müssen.
Wir haben ein großes natürliches Potenzial, das vergeudet wird. Wir müssen ein gutes Team mit guten Leuten zusammenstellen, um unsere Gemeinde zu erneuern und die notwendigen Verbesserungen umzusetzen.

 

 

Die Rede ist von der Bürgerbewegung für Monchique (CPM). Was ist Ihr Programm?
Diese Bewegung wurde vor acht Jahren ins Leben gerufen, als wir zum ersten Mal gegen den jetzt scheidenden Präsidenten antraten. Wir glauben nicht an seine Versprechen – und an seine Politik – er hat praktisch 12 Jahre lang die gesamte Bevölkerung an der Nase herumgeführt. Unsere Versprechen, die wir vor vier Jahren gegeben haben, sind sehr aktuell, aber jetzt müssen wir mehr Gewicht auf die Umstrukturierung des Straßennetzes, den Wohnungsbau und die Möglichkeit der Schaffung nachhaltiger, naturbezogener Arbeitsplätze legen.

Im August 2018 verwüstete ein Waldbrand fast das gesamte Land in Monchique, Alferce, Esgravatadouro, Caldas bis hin zu den Gemeinden Silves und Portimão. Welche Maßnahmen hat Ihre Bewegung, um zukünftige Brände zu verhindern?
Die Brände des Jahres 2018 haben uns schwer zugesetzt. Wir haben Ideen auf der Ebene des Wohnungsbaus, der eine feuerbeständige Konstruktion beinhaltet. Und wir haben auch Projekte und Ideen für die Umstrukturierung und Organisation des Forstes. Dazu müssen wir uns die Meinung aller Menschen anhören, die mit dem Wald verbunden sind, damit wir ein glaubwürdiges Projekt gegen Waldbrände entwickeln können.

Fast 20 % der Gemeinde sind betroffen. Mehr als 750 Landwirte und Imker verloren Ernten, Wälder, 61 Erstwohnungen und 50 Zweitwohnungen. Und bis heute hat niemand eine Entschädigung erhalten. Meinen Sie nicht, dass es wichtig ist, diese Situation zu klären, bevor Sie anfangen, Politik zu machen?
Wenn wir die Möglichkeit haben, unseren Landkreis zu regieren, dann müssen wir herausfinden, was wirklich mit den Opfern passiert ist, denn diese Situation ist nicht akzeptabel. Das Rathaus sollte die erste Anlaufstelle sein, die diese Unterstützung gewährt und die bürokratischen Blockaden aufhebt, damit die betroffenen Menschen die Möglichkeit haben, ihre Häuser wieder aufzubauen. Die Wohnungspolitik sollte überarbeitet werden. Die Politik wird auf nationaler Ebene konzipiert und vergisst dabei beispielsweise die Morphologie, die Art des Bodens, die Wohnverhältnisse und das Leben der Menschen. Die neuen Projekte für Häuser sollten u. a. Sprinkleranlagen auf den Häusern und verschiedene Waldarten um die Häuser herum vorsehen.

Können Sie sich vorstellen, wie sich diese Menschen fühlen?
Natürlich. Jetzt müssen wir versuchen, die Führung und die Menschen zu erreichen und herauszufinden, was ihre realen Bedürfnisse sind.

Es ist ein schweres Erbe von Rui André.
Ein großes Erbe im Negativen. Es gibt eine Menge Arbeit zu tun. 12 Jahre lang wurde keine präventive und korrigierende Instandhaltung durchgeführt, so dass wir analysieren und sehen, in welchem Zustand sich unsere Gemeinde befindet. Wenn etwas kaputt war, entschied Rui André, es zu entfernen, es nicht zu reparieren oder es nicht vernünftig zu warten. Und hier sind wir nun an der Straße von Esgravatadouro und wissen, in welchem Zustand sie sich befindet: Sie ist aufgrund mangelnder Wartung völlig heruntergekommen. Man mag kritisieren, dass Carlos Tuta keine gut ausgebauten Straßen hinterlassen hat, aber er hat die Straßen geteert.

Es ist nicht immer das Geld, das zählt. Der erste Schritt für die von den Bränden Betroffenen könnte die Versöhnung sein. Denn wenn wir weiter Politik machen, als wäre nichts geschehen, was wird dann aus den Menschen?
Das geht nun schon seit drei Jahren so – die Menschen sind enttäuscht, frustriert.

Die Neofaschisten Chega haben auch einen Kandidaten für das Bürgrmeisteramt.
Es ist normal, dass diese Parteien auftauchen. Die Menschen sind unzufrieden und die Regierung wird entweder von der PS oder der PSD geführt, die praktisch nichts getan haben, um den Menschen zu helfen. Wir haben es an den Menschen gesehen, die zur Stadtverordnetenversammlung kommen. Es gibt eine Partei, die einen Vorschlag macht, eine andere Partei, die zustimmt, sich aber entweder enthält oder dagegen stimmt, weil es ein politisches Veto ist, und das ist gegen das Volk. Die einzige Möglichkeit, Menschen zu vereinen und als Kollektiv zu arbeiten, sind unabhängige Bewegungen. Je mehr Menschen sich uns anschließen, desto besser der Weg, den wir alle gehen können.

Eukalyptus ist eine Art, die gut und gerne brennt. Er nimmt 80 % der bewaldeten Fläche von Monchique ein. Welche Lösung bieten Sie an?

Der Bestand dieser Art hat zugenommen, was unter anderem auf die Entscheidung von Landbesitzern und dem Druck von Papierzellstoffunternehmen wie Navigator zurückzuführen ist. Wenn wir ein Stück Land haben und Eukalyptus pflanzen, sind wir nach neun Jahren rentabel, aber wenn wir Erdbeerbäume pflanzen, sind wir vielleicht schon nach fünf Jahren rentabel. Bis neun Jahre vergangen sind, haben wir neben der Rentabilität auch die Schaffung von Arbeitsplätzen, das verarbeitende Gewerbe … denn was den Menschen Geld verdienen lässt, ist das verarbeitende Gewerbe. Möglicherweise gibt es Gebiete im Landkreis, in denen das Land für nichts anderes verwendet wird, aber in anderen… wird das der einzige Ausweg sein.

Das Feuer von 2018 ging durch Wälder, die von diesen großen Zellstoffunternehmen bewirtschaftet werden, und sie brannten nicht. Es ist eine Frage des Managements. Wir müssen den Wandel in Monchique schaffen. Wir können in den Anbau von Zitronen investieren, in ihre Verarbeitung zu Likör, Eiscreme usw., in Erdbeerbäume, in Kork. Durch den Übergang vom Primärsektor zum Sekundärsektor, durch die Transformation in das verarbeitende Gewerbe werden wir Geld verdienen und wirtschaftliches Potenzial schaffen.

Was sind die wichtigsten Punkte Ihrer Bewegung?

Wir müssen in die Verbesserung der Straßen investieren. So wie ich, der jeden Tag nach Loulé pendelt, gibt es Leute, die nach Portimão oder Silves fahren… Wir müssen Bedingungen schaffen, die Monchique zu einem guten Ort zum Leben machen, und zwar in der Natur.

Mal sehen, ein Kind in einer Kita in Monchique zu haben, kostet weniger als die Hälfte als in Portimão.

Das ist eine gute Brücke zur Schule. Die Schulen in Monchique sind voller Asbest.

Die Schulen müssen nachhaltig und umweltfreundlich saniert werden und einen professionellen Unterricht anbieten. Wir brauchen Schreiner, Mechaniker, Klempner, Schuster und andere Gewerke, denn die technische Ausbildung ist ein Mehrwert für den Landkreis und schafft neue Arbeitsplätze. Und wir werden den Menschen die Möglichkeit geben, Unternehmer zu sein und hier in Monchique ihre eigenen Arbeitsplätze, Familien und Häuser aufzubauen.

Die Umgestaltung von Schuldächern könnte die Nutzung von Windenergie und Fotovoltaik beinhalten. Wir haben ein großes Potenzial, all dies zu tun.

Ich weiß, weil ich zu Hause über eine solche saubere Fotovoltaikanlage verfüge.

Ich habe hart daran gearbeitet, meinen ökologischen Fußabdruck und den meiner Familie zu verringern. Seit 2008 habe ich drei Paneele, die photovoltaische Energie erzeugen. Auf den ersten Anreiz hin habe ich diese Entscheidung sofort begrüßt. Und ich habe einen Jeep, der mit Pflanzenöl fährt. Bis zum Brand im Jahr 2018 habe ich die Öle aus den Küchen recycelt und in meinem eigenen Fahrzeug verwendet. Wenn wir ein wenig in der Geschichte von Rodolfo Diesel lesen, erfahren wir, warum er einen Dieselmotor gebaut hat. Er tat dies, damit die Landwirte ihr Land mit einem erschwinglichen Brennstoff bearbeiten konnten, der aus Ölpflanzen hergestellt werden konnte. Und wenn eine Ölpflanze wächst und ihre eigenen Früchte bildet, entzieht sie der Atmosphäre CO2 und erneuert sie. In Bezug auf den Zyklus bedeutet dies Null.

Denken Sie über den Kauf eines Elektroautos nach?

Später, mit der Evolution, ja. Wenn ich meine Batterien mit der Energie meiner Paneele aufladen kann, ist das schon die halbe Miete. Aber die Tatsache, dass 47 % der Energie unseres Landes immer noch aus fossilen Brennstoffen stammt, lässt mich zögern. Und es geht auch um die Gewinnung von Rohstoffen für die Herstellung von Batterien.

Wir könnten Monchique in eine “Null-Emissions-Gemeinde” verwandeln. Wo können wir anfangen?

Bei der Energieerzeugung und dem Verbrauch von Elektrizität der öffentlichen Beleuchtung. Die Hälfte aller öffentlichen Straßenlaternen könnte mit photovoltaischer Energie betrieben werden, was die an die EDP zu zahlende Rechnung erheblich senken würde. Und wir haben unter anderem die Poucochinho-Mühle, die zum Kulturerbe der Gemeinde gehört – und die der Bevölkerung zugänglich sein sollte -, mit der wir aber kleine Wasserkraftwerke verbinden können. Dieser Weg muss in aller Eile und auf intelligente Weise gebaut werden. Wir müssen uns ändern. Aber wir müssen es nicht aus der Not heraus tun. Wir müssen es mit Intelligenz und dem Ehrgeiz tun, den wir für Monchique haben. Wir haben eine Idee für die Optimierung, Wartung und Regulierung der kommunalen Infrastrukturen. Wir sind der Meinung, dass das Sägewerk, das neben dem Friedhof liegt, nicht der ideale Ort für einen Veranstaltungspavillon ist.

Wir haben in Monchique nicht einmal einen Ort für kulturelle Veranstaltungen…

Ich kann mir etwas einfallen lassen…

Wollen Sie uns etwas versprechen?

Nein. Unsere Ziele sind festgelegt, und was wir versprechen, ist viel Arbeit und Hingabe. Im Rahmen des Konzepts für Kunst, Kultur und Bildung haben wir die Idee entwickelt, die vor vier Jahren der Bevölkerung vorgestellt wurde, nämlich die Feuerwehr aus dem Stadtzentrum in die Fahrbereitschaft des Rathauses zu verlegen. Während das Gebäude heute über keine Ein- und Ausfahrt für Fahrzeuge verfügt, könnten in diesem Bereich gute Bedingungen für den Verkehr geschaffen werden; die Zufahrt nach Alferce, Marmelete und Portimão, Foia und Saboia wäre ebenfalls möglich, ohne dass es zu Staus im Dorf kommt und daher schneller.

 

Haben Sie nicht vor, in Marmelete, Casais oder Alferce eine lokale Feuerwehr aufzubauen? Zu dezentralisieren, was noch zentralisiert ist.

Wir brauchen kleine Einheiten. Nützlich könnten auch Gebäude an strategischen Orten sein, die den Zugang zu einem Hubschrauber ermöglichen. Und wenn wir den Gebäudetyp ändern, mit einer kleinen Wasserreserve und Sprinklern auf dem Dach, müsste die Zeit, die die Feuerwehr braucht, um an den Brandherd zu kommen, nicht verkürzt werden. Wir beabsichtigen auch, den Hubschrauberlandeplatz von seinem jetzigen Standort zu entfernen. Es wurde von Carlos Tuta provisorisch in einer Gegend errichtet, der für Veranstaltungen und Messen im Herzen der Stadt reserviert war.

Die Fahrbereitschaft des Rathauses würde in den Business Park umziehen, der nach und nach außerhalb der Stadt errichtet werden soll. Der ideale Ort wäre Nave, vor Monchique gelegen. Es ist eine Ebene, sie hat zwei Straßen, einen Zugang, einen Fluss; die Straße Ribeira das Canas, die verbessert, erneuert und verbreitert werden muss, um die schnelle Zufahrt nach Portimão, zur A22, zu schaffen, damit der Schwerlastverkehr von unserer Touristenstraße abgezogen werden kann. Diese Straße würde für den Tourismus, das Radfahren und andere Freizeitaktivitäten genutzt werden. In den ersten vier Jahren können wir damit beginnen, die Grundlagen für diese Projekte zu schaffen und den Menschen zuzuhören, ihre Meinung zu hören. Glauben Sie, dass dies der Weg ist, den wir gemeinsam gehen sollten? Es wird wichtig sein zu erfahren, welche Prioritäten sie setzen.

Sie wollen sicherlich auch über das Gesundheitszentrum sprechen?

Wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass alle Einwohner einen Hausarzt haben. Der Stadtrat unterstützt die Universität der Algarve bei der Ausbildung von Ärzten, und wir müssen die ersten sein, die etwas zurückbekommen, dass diese Ärzte nach ihrem Abschluss ihre Spezialisierung/Praktika in den Landkreisen absolvieren, in denen es die größten Schwierigkeiten gibt.

Das Gesundheitszentrum ist in einem schrecklichen Zustand. Wir wissen, dass es schwierig ist, Ärzte zu ermutigen, ins Innere der Gemeinde zu ziehen, aber wenn wir ihnen eine andere Art von Gemeinde, Einrichtungen und Zugang bieten können, werden sie sicherlich kommen, auch weil Menschen gerne hierher kommen, um zu Mittag zu essen, den Medronho  zu probieren, die Natur zu genießen?

Ein Vergeleich: Eine Person, die zur Luftwaffe geht, um einen Fliegerlehrgang zu absolvieren, ist für eine bestimmte Anzahl von Jahren an die Institution gebunden. Wenn die Kosten für die Ausbildung von allen Steuerzahlern getragen werden, warum sollten sie dann nicht für einen bestimmten Zeitraum (der den Kosten der Ausbildung entspricht) in Verbindung mit dem öffentlichen Dienst und in den bedürftigsten Landkeisen bleiben? Dieses Gesetz müßte überarbeitet werden.

Vor vier Jahren fehlten uns noch die finanziellen Mittel, um die Menschen zu erreichen. Wir sind eine unabhängige Bewegung und die Mittel, die wir für unsere Kampagne verwenden, sind die unseres Teams. Wir bezahlen alles aus der eigenen Tasche.

Wie viele Personen sind an der CPM beteiligt?

Wir sind 30 Personen.

Menschen aus Monchique…

Auch aus anderen Dörfern des Landkreises. Wir haben versucht, für Marmelete und Alferce zu kandidieren, aber aufgrund der veränderten Politik der PS und der PSD, die den Kandidaturen unabhängiger Bewegungen schaden, konnten wir unsere Gruppe erst nach der Aufhebung des Gesetzes vor fast einem Monat und zwei Wochen bilden. Vor vier Jahren begannen wir im Februar und sagten “wir fangen spät an”, dieses Jahr begannen wir im Juni, also noch später. Aber wir geben nicht auf.

Wir erhalten keine Subventionen oder Unterstützung von irgendeiner politischen Partei, so dass wir mehr Wert für unser Geld und das Geld unserer Bürger bieten werden.

Screenshot Autarquicas2017

Was wird sich in Monchique ändern, wenn die Wählergemeinschaft gewählt wird?

Das erste, was sich ändern wird, ist die Einstellung. Das Wichtigste ist, dass wir wissen, wie wir den Menschen zuhören können, dass wir diejenigen, die kritisch konstruktiv sind, ansprechen, damit sie uns helfen können. Menschen, die kritisch sind, sind eine Bereicherung. Sie kritisieren, weil sie die Dinge anders, besser sehen wollen. Wenn ein Politiker beginnt, sich mit “Ja-Sagern” zu umgeben, zahlt das Volk dafür. Unser Landkeis hat sich nicht weiterentwickelt und ist durch eine Wüste gegangen.

Es genügt, die Einstellung zu ändern, mit der die Gemeinde regiert und verwaltet wird, und den normalen Menschenverstand einzusetzen, um eine gesunde, nachhaltige und umweltfreundliche Gemeinde wiederaufzubauen. Eine unabhängige Bewegung kann viel schneller einen Konsens finden, neue Wege aufzeigen und Arbeiten einleiten.

Ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

Uwe Heitkamp (60)

trained TV journalist, book author and hobby botanist, father of two grown-up children, knows Portugal for 30 years, founder of ECO123. Translations : Dina Adão, Tim Coombs, João Medronho, Kathleen Becker
Fotos: Uwe Heitkamp, dpa

 

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