Donnerstag, Juli 18, 2019
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Ein Beispiel für uns alle

Es gibt keine Dinosaurier mehr

Es gibt sie schon lange nicht mehr, dennoch haben sie mich über weite Strecken meines Lebens begleitet. Ich spreche von den vor Millionen von Jahren ausgestorbenen Dinosauriern, die uns allen als Beispiel dienen können. Wenn wir uns anschauen, was in der Vergangenheit mit ihnen passiert ist, erlaubt uns dies in gewisser Weise auch einen Blick in die Zukunft, vor der wir unsere Augen nicht verschließen dürfen.

Ich erinnere mich noch genau an den Zauberwürfel, mit dem alle spielten, als ich noch ein Kind war. In dieser Zeit erschien auch ein kleines Wunder mit dem seltsamen Namen Kalkitos. Dabei handelte es sich um auf Unterlagen aus Karton dargestellte Szenen auf die man verschiedene Elemente aufkleben konnte, die auf einem separaten, transparenten Blatt mitgeliefert wurden. Auf diese Weise ergaben sich für die damalige Zeit und besonders für mein Alter überraschende Ergebnisse. Ich entsinne mich zum Beispiel, wie ich mexikanische und texanische Soldaten auf dem Schauplatz der Schlacht von Fort Alamo aufgestellt habe, die 1836 in Texas stattgefunden hat. Ganz besonders beindruckte mich jedoch eine andere Kartonunterlage mit Grasflächen und Waldgebieten, auf der ich Tiere platzieren konnte, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Ich weiß noch gut, wie ich die unterschiedlichsten Arten verteilt habe, von denen einige sogar fliegen konnten.

Durch die Kalkitos entstand meine Faszination für Dinosaurier. Sehr viele Jahre später, als ich schon vier Kinder hatte, stellte ich dann fest, dass diese ausgestorbene Art nun in Mode war. Unser Haus war voller Dinosaurier, manche sogar mit Namen, die ich als halber Experte auf diesem Gebiet noch nie gehört hatte. Einen davon fand ich besonders lustig: den Parasaurolophus.

Ich suchte dann in einer alten Kiste voller Erinnerungen aus meiner Jugendzeit, nach etwas, das mir als Schüler der inzwischen zerstörten alten Schule in Monchique geholfen hatte, mich im letzten Schuljahr im Werkunterricht, um eine Note zu verbessern. Ein grünes Tier mit einem hohen Rücken voller Stacheln, kleinem Kopf und langem Schwanz: der Dinosaurier, der mich in meiner Jugend am meisten faszinierte, nachdem ich einige Jahre zuvor den Stegosaurus bei den Kalkitos entdeckt hatte.

Meine Kinder haben sich nie für diesen amateurhaften Dinosaurier interessiert, der mir so viel bedeutet hat. Es gab andere, wesentlich besser gemachte, in einem Laden zu kaufen, der neben dem normalen Eingang auch noch eine kleinere Tür speziell für Kinder hatte, die sie mit wachsender Begeisterung nutzten. Dort gab es unter anderem perfekte Stegosaurier, viel attraktiver als mein eigener, der aus Sperrholz gemacht und grün angestrichen war.

Die Faszination meiner Kinder hatte einen wesentlich größeren Einfluss auf mich, als einige Jahre zuvor das Auftauchen der Dinosaurier in den Filmen von Steven Spielberg. Das kann man gar nicht vergleichen. Es ging sogar so weit, dass mir, als ich eines nachmittags, ganz in der Nähe meines Zuhauses, allein über die Via Infante (A22) fuhr, folgende Erkenntnis kam: Die Szenerie zu meiner Rechten, die ich schon so oft betrachtet hatte, erschien mir plötzlich in einem ganz anderen Licht. Die zwei Berge von Monchique, die höchsten Punkte im ganzen Süden Portugals, einer etwas höher als der andere – diese beiden Berge, die nicht nur groß, sondern auch sehr lang sind, ließen in ihren Formen zwei Dinosaurier erkennen. Ganz ruhig lagen sie da, in 20 Kilometern Entfernung von der Autobahn. Jetzt war ich mir sicher. Die Serra der zwei ruhenden Berge wurde für mich zum Gebirge der zwei schlafenden Dinosaurier. Ich glaube wirklich, dass es mir seither immer schwerfällt, von der Serra de Monchique zu sprechen, so wie es andere tun und wie es auch in den Büchern zu lesen ist. Das Bild ist weiterhin in meinen Kopf. Die beiden Berge sind zwei Riesen, die aus der Jurazeit überlebt haben. Wenn ich zu Hause bin und den Fóia hinaufgehe, die Burg von Alferce aufsuche, oder vom Gipfel des Picota meinen Blick über die gesamte Küste der Algarve schweifen lasse, dann laufe ich über diese Riesen. Auch wenn ich weiter weg bin, beispielsweise im Norden und auf meiner Rückkehr aus Lissabon durch das Gebiet von Ourique fahre, sehe ich die beiden Dinosaurier – schlafend (aber für mich nicht verschwunden). Die Serra der zwei schlafenden Dinosaurier – ich wünschte, eines Tages würden viele Leute sie so nennen.

António Manuel
Schriftsteller, Herausgeber, Journalist und Verleger
amvenda@sapo.pt

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