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Ein Erfahrungsbericht von Uwe Heitkamp

Nº 134 – Etwas, das wichtiger ist als Geld.
Ein Erfahrungsbericht von Uwe Heitkamp

Ein Erfahrungsbericht von Uwe Heitkamp

Samstag, der 17.  September 2022.

Weniger ist mehr. Besonders ist, bei weniger Wasser, vermutlich mehr Durst.

Damit zu leben und zu haushalten, wird zu einem Kunststück in Sachen Bescheidenheit in Zeiten der Klimakrise. Den ganzen Sommer über habe ich jeden Tag abends hunderte von Bäumen mit Wasser versorgt. Das hat einen tieferen Sinn. Die Wiedergegrünung meiner kleinen Welt ist mir eine Herzensangelegenheit. Dabei ist die Quelle des Baches, die auf dem Grundstück entspringt, seit Beginn des Sommers trockengefallen. Hätte ich kein Wasser der Gemeinde, bedeutete das ein Ende des Waldgartens. Ich schreibe das Jahr Vier nach dem jüngsten Waldbrand. Es wird höchste Zeit, daß wir Menschen Methoden entwickeln, mit Wasser achtsamer umzugehen und Wasser im Boden zu säen, gepaart mit dem unbedingten Willen, Waldbrände zu vermeiden.

Nachrichten aus dem Welt des Waldes: seit zwölf Jahren bin ich Stromerzeuger aus 40 Solarmodulen bei zwei Nachführanlagen, die auf einer Lichtung stehen. Mit dem Geld, das ich mit sauber erzeugtem Strom verdiene, kaufe ich jetzt Wasser von der Gemeinde, um meine Bäume und die Gärten zu bewässern. Das ist eine Hilfe für alle Bäume in Zeiten von Dürre und Hitze, jeden Abend. Denn wenn es weniger und unregelmäßiger regnet, die Sommer immer heißer werden und sich verlängern und die Winter sich verkürzen, der Grundwasserspiegel sinkt, haben die Bäume immer weniger Wasser. Die Temperaturen steigen mit den Hitzewellen. Es gilt, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Die Herausforderung, vor der wir stehen, ist die Zukunft mit viel weniger Wasser und höheren Temperaturen. Wasser ist alles und ohne Wasser ist alles nichts. Und der Wald ist mein Verbündeter. Über jedem Wald entstehen Wolken bei der Verdunstung von Wasser. Der Baum braucht mein CO2 und ich brauche seinen Sauerstoff und natürlich auch sein Wasser, daß ich ihm in Krisenzeiten zurückgebe. Es ist ein ewiges Geben und Nehmen. Wie wird sich die Situation entwickeln? Darauf müssen wir uns nachhaltig vorbereiten und ganz genau hinschauen: auf ein Leben mit immer weniger Wasser, außer, wir drehen den Spieß um, und pflanzen wieder gemischte Wälder, begrünen die Welt der verbrannten und zerstörten Böden. Wir werden es schaffen, wenn wir die abgebrannten Flächen neu bepflanzen, mit Wäldern, die das Wasser langfristig in der Erde halten (wie Schwämme) und die Grundwasserreserven langsam wieder steigen. Bäume, die den Wasserhaushalt regulieren, sind autoctone Bäume, sind feuchte Wälder mit vielen verschiedenen heimischen Bäumen, keine Monokulturen, keine invasiven Baumarten. Bei uns in Portugal sind das Gewächse, die uns jeden Tag begegnen: jede Art von Eiche, je nach Bodenqualität auch Schirmpinien, je nach Klima Kastanien und Walnussbäume und alles, was Blätter hat für die Fotosynthese: Ulmen, Erlen und Eschen an Bachläufen; Maulbeerbäume, Feigen-, Oliven- und Johannisbrotkulturen wo auch immer im südlichen Portugal. Wir wollen die Wüstenbildung vermeiden? Dafür müssen wie uns bewegen, auch geistig, vor allem aber körperlich.

Es ist Mitte September. Gott seid Dank, es regnet nach vielen Monaten der Dürre erstmals wieder. Nicht nur das Waldbrandrisiko verringert sich dadurch. Wir dürfen das Regenwasser nicht einfach wegfließen lassen, sondern müssen es aufhalten. Das beginnt mit Dachrinnen an den Häusern und dem Wasser, das von dort in eine Zisterne fließt und ist sie voll, gibt es einen Überlauf und das Regenwasser fließt in eine zweite und von dort in eine dritte Zisterne usw. Die meisten Häuser in Portugal haben keine Dachrinnen. Das Regenwasser von den Dächern der Regenzeit dient der Natur unserer Gärten in der Trocken- und Heißzeit des Sommers. Das Wasser in meinen drei Zisternen ist mir heilig. Ich benutze es kaum zur Bewässerung des jungen Botanischen Gartens von Caldas de Monchique – nein, ich werde es hauptsächlich benutzen, um bei einem weiteren Waldbrand das Risiko zu veringern, daß wieder alle jungen Bäume verbrennen. Ich benutze dieses Wasser zur Waldbrand-Prävention und meine neu installierte Sprinkleranlage würde alle Bäume und Büsche nässen, bevor ein Feuer sie wieder zerstören könnte.

Wir müssen aber auch bedenken und das fördern, daß das Regenwasser die Grundwasserreserven auffüllt und in den Boden versickert. Also restauriere ich Terrassen und baue Terrassen, wie es unsere Vorfahren in den Bergen von Monchique gemacht haben. Eine schwierige und harte Arbeit, die den Vorteil erbringt, daß das Regenwasser nicht mehr den Hang zum nächsten Bach hinunterläuft und dann ins Meer, sondern in der Terrasse versickert. Und in diese Erde pflanze ich Bäume, die dem heißen Klima standhalten. Gestern schenkte mir eine Permakulturlehrerin fünf Kasuarinen, Bäume, die trockenresistent sind, die den ganzen Sommer über keine Bewässerung brauchen. Daneben pflanze ich Feigen-, Medronheiro- und Olivenbäume, Gewächse, die ebenfalls ganz wenig Feuchtigkeit in Trockenzeiten brauchen, aber die Feuchtigkeit mit ihren Wurzeln im Boden halten. Solche Wälder sind oft sogar feuerresistent.

ECO 123 und der Botanische Waldgarten werden von Esgravatadouro – Cooperativa do Ambiente CRL betreut. Falls Sie Interesse an einer Baumpatenschaft haben oder Mitglied in der Genossenschaft werden möchten, wenden Sie sich direkt an uns: editor@eco123.info Wir helfen Ihnen, besser durch die Klimakrise zu kommen, mit Informationen und mit vielen nachhaltigen Tipps zum Nachmachen. Melden Sie sich bereits heute zum Wochenend-Workshop an „Wie baue ich eine Sprinkleranlage und sichere mein Haus und meinen Wald vor Waldbränden“ … Der Workshop wird im November an zwei Tagen in Caldas de Monchique stattfinden.

 

Uwe Heitkamp (62)

ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobby-Botaniker, Vater zweier erwachsener Kinder, kennt sei 30 Jahren Portugal, Gründer von ECO123.Translations Dina Adão, John Elliot, Rudolfo Martins, Kathleen Becker
Photos:Uwe Heitkamp

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