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Dia da Mulher Guineense

Guinea – Frauen in Aktion

In Portugal leben viele Bürger Guinea-Bissaus, Residenten wie Immigranten. Portugal spielt eine wichtige Rolle, nachhaltige Lösungswege zu finden, die das Leben dort verbessern, um den Teufelskreis aus politischer, militärischer und wirtschaftlicher Schwäche zu durchbrechen.

In diesem Sinne haben sich einige Frauen aus Guinea-Bissau, die in Portugal leben zusammengetan, um aus den Erfahrungen von Filomena Djassi zu schöpfen. Diese Frau hat klare Ideen und ist trotz ihrer Jugend schon eindeutig eine Führungspersönlichkeit. ECO123 sprach mit ihr im Anschluss an ein Fortbildungsseminar mit einer Frauengruppe in Lissabon.

 ECO123: Wer ist diese Filomena Djassi eigentlich?

Filomena Djassi

Filomena Djassi: Ich bin in Gabú, im Osten von Guinea-Bissau, geboren. Ich gehöre zu einer muslimischen Volksgruppe und bin 28 Jahre alt. Seit meinem vierten Lebensjahr wohne ich in Portugal. Ich habe hier Sozialarbeit studiert und arbeite in der Gemeindearbeit im Landkreis Sintra.

ECO123: Wie kamen Sie auf die Idee, eine Landwirtschaftsschule in Guinea-Bissau zu eröffnen?
Filomena Djassi: Die Idee hatte ich schon 2008 bei meiner ersten Rückkehr nach Guinea. Ich fuhr in meine Heimat in das “Tabanca” (Dorf) da Sancava in Gabú, wo ich erkannte, wie sehr die Armut mit der Form der Landwirtschaft zusammenhängt, die gerade nur mal zum Leben reicht. Dort gab es keine Schule. Große Teile der Bevölkerung sind Analphabeten. Meine erste Idee war, eine Schule zu bauen. Doch ich befand, dass eine umfassendere Lösung nötig war, auch um die landwirtschaftliche Produktion zu verbessern.

Ich habe aber auch feststellen müssen, dass viele Einheimische keine Möglichkeit haben, Land zu erwerben. Das gehört bereits spanischen Eigentümern und internationalen Konsortien. Als ich davon erfuhr, dass man doch noch Land erwerben konnte, kaufte ich sogleich 40 Hektar. Die haben mich 400 € gekostet, plus 2.000 € für die Legalisierung.

ECO123: Wie wird das Projekt verwirklicht?
Filomena Djassi: Einige Anwohner und ich haben mit der Infrastruktur für die Schule angefangen. Wir bauten ein Gebäude. Dann schufen wir eine Arbeitsstelle für eine Person mit landwirtschaftlichen Kenntnissen, die wir dann auch noch pädagogisch ausbildeten. Da die Person aber in der Stadt lebt, fährt sie immer dann zur Schule, wenn ich genug Geld schicken kann, um ihre Arbeit und das Wegegeld zu bezahlen.

ECO123: Wie entstand die Gruppe der Frauen von Musqueba?
Filomena Djassi: 
Da mein Projekt mit vielen Schwierigkeiten begann, fing ich an, über nachhaltigere Lösungen nachzudenken, um die Situation auf dem Land umfassender zu verbessern. Ich fand, dass es eine gemeinsame Bewegung geben sollte: Ich kam zu dem Ergebnis, dass das hier in Portugal, in der Diaspora, einfacher zu verwirklichen sei. Also begeisterte ich eine Gruppe von Frauen für diese Sache. Wir beschlossen, unsere Traditionen zu überdenken, unsere Werte in Frage zu stellen. Gerade tauschen wir uns in der Gruppe aus und suchen die verschiedenen Gebiete aus, auf denen wir kulturell und sozial intervenieren wollen. Unsere Gruppe hat einen festen Kern von sieben engagierteren Frauen, die aus den verschiedenen Ethnien, Regionen und Religionen Guinea-Bissaus stammen.

ECO123: Was denken Sie über die aktuelle Lage in Guinea-Bissau?
Filomena Djassi:
Die Institutionen funktionieren nicht mehr. Die internationale Kooperation ist gescheitert. Eine Verbesserung der schlechten Lage ist nicht in Sicht. Doch es gibt eine starke, junge Bevölkerung. Ich meine, dass auch die Frauen eine wichtige Rolle spielen müssen. Guinea-Bissau ist ein kleines Land. Hier ist alles nah beieinander, deswegen ist es einfacher, etwas zu verändern als in vielen anderen Teilen Afrikas.

“Meine erste Idee war es, eine Schule zu bauen”
 “Wir beschlossen, unsere Traditionen zu überdenken, unsere Werte in Frage zu stellen”

 

Kontakte des Projektes, Spenden und Investitionen:
Jeder Spender/Investor kann sich das Projekt aussuchen, das er unterestützen will.
Trav. Pedras Negras, Nº 1, 4º Andar – 1100-404 Lisboa
Tel: 969 196 291 (Diana Lopes)
escolaagricolamusqueba@mail.com
www.projetos.academiaubuntu.org/musqueba

About the author

Antonio Veiga: Geboren in Lissabon, studierter Ökonom. Arbeitet als Steuerberater und ist seit mehr als 20 Jahren Mitglied des Vorstandes der Vereinigung der Auslandsresidenten Guinea-Bissaus. Lebt in Lissabon.

 

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