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Nº 75 – Ein Topf mit vielen guten Zutaten aus dem eigenen Garten

Samstag, der 20. Februar 2021

Unser Ziel ist die Lebensmittelautonomie. Dazu benötigen wir fünf Jahre Zeit. In fünf Schritten erreichen wir unser Ziel. Im ersten Jahr bearbeiten wir den Boden, machen ihn sauber und die Erde fein, nehmen die Steine raus und jäten Unkraut. Gleichzeitig legen wir einen Komposthaufen an und nehmen die Erde dieses Komposthaufens als Dünger für das erste Saatgut im zweiten Jahr: Kartoffeln und Zwiebeln, Erbsen und Bohnen, Tomaten und Paprika und vieles mehr. Ich empfehle Nachahmern einen Permakulturkursus im Vale da Lama bei Lagos. Nahezu alle Zutaten stammen heute aus unserem eigenen Garten. Geerntet habe ich – wir befinden uns jetzt im vierten Jahr –  grüne Bohnen, Brokkoli, Tomaten, Zwiebeln, Kartoffeln und Süßkartoffeln, Knoblauch und Lorbeerblätter vom Baum: unser Winteressen an einem beliebigen Tag der vergangenen Woche.

Dazu schwimmen Erdbeerpflänzchen auf Korkplatten in einem 5 x 2 m großen Wasserbecken für Aquaponik und wir experimentieren jetzt auch schon mit Kräutern. Das hat den Vorteil, dass wir uns die Bewässerung sparen, denn die Pflanzen schwimmen ja im Wasser und wachsen dort heran.

Kommen wir also zu unserem Mittagessen: dazu nehme ich Linsen, die ich im Bioladen kaufe, oder Kichererbsen, die ein alter Bauer uns sonntags im Dorf feilbietet. Wir sind noch nicht so weit, dass die Kichererbsen aus der eigenen Erde stammen: vielleicht aber schon im nächsten Jahr. Fast überall in Portugal gibt es lokale Bauernmärkte auch während der Pandemie. Die lokalen Bauern benötigen einen Boost und deshalb kaufe ich dort ein Mal die Woche ein: den Honig ebenso wie die Maiskolben oder die eingelegten Oliven, aus denen ich eine Paté zaubere, eine Delikatesse als Vorspeise mit frischem Brot: in Knoblauch-, Zitronen- und Oregano-Tunke eingelegte Oliven entkernen und mit dem Zauberstab zu einer feinen Paste mahlen, etwas eigenes Olivenöl hinzutun, etwas Oregano, je nachdem auch etwas Salz. Schon ist die Vorspeise fertig.

Im November haben wir die Oliven geerntet, wie jedes Jahr.  Im letzten Jahr hatte uns die Mühle aus etwas mehr als 50 kg Oliven rund fünf Liter kaltes Olivenöl gepresst. Das geht jetzt zur Neige. Aber wenn ich mit meiner Glasflasche (5 lt)  nach Padieiros bei Alferce fahre, kann ich mir die goldene Flüssigkeit abzapfen lassen. Preis: sechs Euro der Liter. Wunderbarer erdiger Geschmack. Eigene Oliven lege ich dann auch selbst ein. Aus den vielen Tomaten des Spätsommers habe ich während einer langen Woche auf kleiner Flamme eine wunderbare Tomatensoße für die Winterbedürfnisse eingekocht. Wir benutzen die eingekochten Tomaten nicht nur für PASTA. Wir leben nicht vegan, aber essen kein Fleisch mehr. Was wir im Sommer nicht verbrauchen, konservieren wir auf traditionelle Art für den Winter, wir kochen Dinge ein. Kartoffeln ernten wir mehrmals im Jahr. Freitags besorge ich ein paar Liter Ziegenmilch von meinem Nachbarn José. Die Eier bekomme ich von António oder Eric. Manchmal kaufe ich einen Ziegenkäse von Peregrina oder Monique. Im Moment essen wir trockene Feigen. Später klopfen wir Walnüsse und Mandeln.

Und dann beginne ich das Mittagessen vorzubereiten: brate drei mittelgroße Zwiebeln in einem Topf mit Olivenöl an, würze mit Flor de Sal aus Olhão und rotem Pfeffer vom Pfefferbaum aus dem Garten. Und los geht es. Für vier Personen nehme ich einen Liter Wasser, etwas vom veganen Brühwürfel (Achtung: ohne Palmöl!) und lasse die Zwiebeln auf kleiner Flamme im mittelheißen Olivenöl ganz langsam goldbraun werden, mit dem Wasser ablöschen, die zwei Lorbeerblätter, die Bohnen, den Brokkoli, etwas später die eingekochten Tomaten vom Sommer und die (Süß) Kartoffeln. Wir können alles verwenden, was wir noch in der Küche übrig haben: Paprika oder Zucchini oder auch Mohrrüben in kleinen Stückchen gewürfelt. Und im Winter immer ein wenig Kohl und Kürbis. Nicht vergessen: die gewaschenen Linsen oder die eine Nacht lang gewässerten Kichererbsen.

Rund 45 Minuten lasse ich die bunten Zutaten in der leicht köchelnden Brühe vor sich hin garen. Falls nötig, immer etwas Wasser hinzugeben. Abschmecken, die Lorbeerblätter entfernen, etwas Orgeano und Olivenöl hinzugeben und auch eine Piri-Piri kurz vor Schluss hineinschneiden und gut verteilen. Das gibt dem Eintopf den richtigen Abschluß.

Kommen wir zum Nachtisch. Wir in Monchique, ob mit oder ohne Lockdown, bewahren uns alte Familienrezepte immer auf, um Kuchen zu backen. Einer von ihnen trägt den  Namen BOLO DE TACHO. Was ist das Besondere an ihm? Wenn Sie das traditionelle Rezept kennen, schreiben Sie uns, mit welchen Zutaten und wie  Sie den kleinen runden Kuchen backen. Die ersten zehn LeserInnen gewinnen zehn Einkaufsgutscheine im Wert von jeweils zehn Euro in der Mercearia Bio in Portimão. Guten Appetit.

 

Uwe Heitkamp (60)

editor@eco123.info
ausgebildeter Fernsehjournalist, Buchautor und Hobby-Botaniker, Vater zweier erwachsener Kinder, kennt sei 30 Jahren Portugal, Gründer von ECO123.
Übersetzungen :: Fernando Medronho & Penny e Tim Coombs
Fotos: Uwe Heitkampr

 

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